Mittwoch, 7. Oktober 2020

Calla im Corona-Jahr 2020 - Teil 1 -

 


Calla, 25.08.2020

Dass ich nun doch hier sitze, den Blick auf die Küste gerichtet, erscheint wie ein kleines Wunder.  "Ihr seid ganz schön mutig!" haben wir in diesem Jahr des öfteren gehört. Nein, wir haben nur Sehnsucht nach unseren Orten und die Orte brauchen uns. Da nehmen wir auch eine Quarantäne von 2 Wochen gerne in Kauf!  Wir haben viel Zeit und wir brauchen sie, hier in dieser Stille!

Wir leben in einer der verstörendsten Zeiten unseres bisherigen doch ziemlich langen Lebes!  Seit März hält  SARS CoV-2 - umgangssprachlich Corona genannt, die gesamte Welt in Atem und wird sie für immer verändert hinterlassen!  Hunderttausende Menschen sind am Virus gestorben, Millionen infiziert. Seit Ende 2019 grassiert das Virus und versetzte die Welt ab März in Angst und Schrecken. In Italien gab es bereits im März 2020 über 3400 Covid-19 Todesfälle und Europa starrte mit Entsetzen auf das Chaos und war sich bewußt, dass keines der Länder auf solch eine Pandemie vorbereitet war. Die Angst ging um und das Reisen setze - wie alles Andere, Gewohnte in unserem Leben von einem auf den anderen Tag aus:  Lockdown.  Ein Wort, das wir bis März nicht kannten, bis er  uns z.B. auf Zypern zwang, unseren geplanten 2-wöchigen Aufenthalt auf sieben Wochen zu verlängern, da auch die Flughäfen geschlossen wurden.  Ausgangssperren, Führen von Nachweisen über jeden Schritt, den man außerhalb der eigenen 4 Wände unternahm; Menschen mit Masken und Gummihandschuhen, Desinfektionslösung überall vor den Läden und eine Stille, die es so noch nie gab.   Restaurants, Bars, Cafés geschlossen -  Schulen zu und Eltern wurden über Nacht zu Lehrern: ¨homeschooling¨ - ¨homeoffice¨ wir fanden offenbar in unserer Sprache keine Worte und es gab für niemanden ein Entkommen! 

Für uns war Zypern mit unserem "Nest" ein sicherer Ort. Nur die Ungewißheit, wann wir die Insel wieder verlassen konnten, strengte an und so  nutzten wir nach 7 Wochen die Chance, überhaupt von der Insel zurück nach Berlin zu kommen, mit einem "rescue flight", der junge zypriotische Studenten nach Frankfurt ausflog. In Berlin mußten wir in eine 2-wöchigen Quarantäne. 

Keine Besucher, keine Familientreffen, keine Freunde... ¨social distancing¨ noch ein neues Wort und Hygieneregeln, wie häufiges Händewaschen wurden Gewohnheit.  Lebensmittel liessen wir uns bringen und verliessen das Haus nur, um bei wunderbarem Frühlingswetter im Garten zu sein.  Nie hat Wetter eine so große und wichtige Rolle gespielt, denn der Aufenthalt im Freien war auch ohne Tragen des Mundschutzes erlaubt und die Menschen konnten in Berlin die Wohnungen und Häuser ohne Nachweise verlassen!

Die Vereinzelung, die Stille, die auch über Berlin lag, sie hatte -  neben vielen Unannehmlichkeiten und Verzicht,  auch etwas Positives:  was bisher nicht möglich zu sein schien - geschah über Nacht:  der Reise- und Flugverkehr war ausgesetzt, die Flugzeuge blieben am Boden, Reisen wurden storniert und keiner wußte, wie alles weitergehen würde.  Die Luft war sauber, weil die Menschen auf das Fahrrad umstiegen, um sich zu bewegen an der Luft, den Frühling genießend. Die Großstädte, die sonst in Touristenmassen versinken, gehörten denen, die dort leben und in  Venedig schwammen Delphine in den Kanälen. 


 Der Konsum schlief durch die geschlossenen L
äden für Wochen völlig ein.  Kein ¨shopping¨ mehr und dann, als das ¨shoppen¨ wieder erlaubt wurde und Lockerungen eintraten, hatte keiner mehr Lust, zu ¨shoppen¨!  Das waren die positiven Seiten, die negativen natürlich, dass die Wirtschaft unter der langen Schließung von Betrieben, die erst auf die neuen Corona-Bestimmungen umgerüstet werden mußten, litt und leidet!  Kleine Betriebe gingen in die Insolvenz und riesige ¨Rettungsschirme¨ wurden über das Land verteilt. Plötzlich war alles möglich, plötzlich floss - zumindest in Deutschland das Geld, denn diese Krise unschätzbaren Ausmaßes, ließ alle Versäumnisse der vergangenen Jahre sichtbar werden!  Kaputt gesparte Krankenhäuser mußten Corona-Stationen einrichten und den normaler Ablauf von heute auf morgen unterbrechen. Es fehlten Krankenschwestern, Pfleger und Menschen, die sich um die Alten in den Heimen kümmerten.  KassiererInnen wurden zu HeldInnen wie auch das Plegepersonal insgesamt.  Keine Bundesliga, keine Rockkonzerte, kein Theater und kein Kino.  Stillstand! Und die Menschen verständigten sich - von Italien abgeschaut - über die Balkone und klatschten den ¨neuen HeldInnen¨  Beifall. (Krankenschwetern und Pfleger, Kassiererinnen in den Supermärkten).  Rührende Szenen, beschämende Szenen - den Menschen mit Empathie wurde viel zugemutet!  Allein der tägliche Blick in die ¨Fallzahlen¨ und die Zahl der Toten im eigenen Land, vor allem aber auch in Ländern wie dern USA, wo noch heute der Virus am heftigsten wütet,  wurden zum täglichen Ritual.

Dies ist alles sehr kurz und natürlich keine Analyse der letzten Wochen und Monate.  Es ist aus dem Bauch heraus geschrieben und versucht, noch einmal zusammenzufassen, wie sich die letzten Monate FÜR UNS anfühlten.  


 

 Natürlich war schnell entschieden,  dass wir den Juni-Aufenthalt hier in Calla streichen, den Sommer in Berlin verbringen und darauf hoffen würden, im September fliegen zu können.

Und wir haben gebangt, umgebucht und schließlich - die Quarantäne in Kauf nehmend - beschlossen zu fliegen.  Das Haus braucht uns, der Garten braucht uns und wie sehr uns beides brauchte, wissen wir, seit wir hier sind! 

 


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