Samstag, 4. April 2015

Frühling in Connemara - März 2015 - Teil 4




Gestern noch lagen wir - in unsrem ¨Swimmingpool¨ vom Wind geschützt -  auf den neuen Liegen in der Sonne, heute Morgen weckte uns ein Regenschauer und unser erster Blick fiel auf einen Regenbogen über unserer Bucht - wundervoll!  

Die Kuppen der Twelve Bens tragen weiße Hauben!  Es ist kühler geworden - vor allem der Wind ist kalt. Aber obwohl wir uns auf einen Regentag einrichten, scheint schon beim Frühstück die Sonne und verheißt ¨Irlandwetter¨ - einen schnellen Wechsel aus Regen, Wolken und Sonne..
 


Heute ist Dienstag, der 24. März und es ist ein Tag, der für sehr viele Menschen zum Schicksalstag wurde.  In Clifden lasen wir in den Nachrichten im Smartphone  vom Absturz der Germanwings Maschine 9525 auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf. Unter den 150 Toten ist eine deutsche Schulklasse.. Sie könnte auch aus jedem anderen Land sein, es sind Kinder... Es ist einfach fürchterlich, dies zu wissen.

Bei Florian brennt die Kerze heute für diese Toten und vor allem für ihre  Hinterbliebenen, die nun das Schicksal, das wir seit 15 Jahren tragen, teilen werden.

¨ Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den  Himmel....
Genesis 28


25.3.2015

Die letzten beiden Tage sind angebrochen und heute hat uns das gute Wetter verlassen - und das gründlich! Der Himmel hängt grau und tief. Es regnet ohne Unterlass und es hat sehr abgekühlt. Dass wir es  bereits  frühsommerlich warm hatten, kann man sich heute kaum vorstellen. 

Dass die Menschen hier ein sehr anderes Gefühl für die Temperaturen haben, fiel uns heute mehrfach auf. Zunächst besuchten wir einen örtlichen Künstler, den ich über facebook entdeckte.Cathal O'Malley lebt in Cleggan und sein Cottage war völlig unbeheizt. Wir froren schon in der kurzen Zeit, in der wir seine - im Wohnzimmer ausgestellten - Bilder ansahen.  Das Bild, das ich  mir bereits  ausgesucht hatte, fand unser beider Zustimmung und Begeisterung.. ¨Sky Road¨ ist sein Titel und Cathal hat diesen wunderbaren Blick von dort über kleine vorgelagerte Inseln auf den Atlantik sehr gut getroffen.. 




Weiter ging es nach Cleggan, wo wir bei ¨ Olivers¨, dem Pub, in dem wir vor Jahren, als wir  diese Seite Irlands und vor allem Connemara entdeckten und in Maries B+B ¨ Wild Heather¨  wohnten, fast jeden Abend  aßen; fast immer war es ein Krabben- oder ein Lachssandwich mit Salat und das bestellten wir auch heute. Zum Glück war der Platz am Feuer frei, denn auch hier schlug uns die kalte Luft entgegen. Niemanden scheint die Kälte zu stören, obwohl man - natürlich - vom Wetter spricht und auch vom Absturz der Maschine, als man uns als Deutsche ausmacht. 
Alle Zeitungen berichten heute mit großen Fotos von diesem unzugänglichen Gelände in den Bergen und man ist sehr anteilnahmsvoll.
¨Wish you sunshine¨ ruft uns jemand nach, als wir uns wieder auf in den Regen machen.
In Clifden im Büro unseres Steuerberaters das gleiche Bild: sowohl er als auch seine Sekretärin sitzen in ungeheizten, eisig kalten Räumen.  Wir wagen es nicht, unsere Mäntel auszuziehen :)


Inzwischen brennt das Torffeuer und verströmt Wärme und Gemütlichkeit. Der Regen hat kaum nachgelassen. Vielleicht will man uns den Abschied erleichtern. 


Es wird Zeit, zurück zu schauen auf diese Tage. Aufgefallen uns ist beiden, dass wir uns nicht mehr wie ¨ im Urlaub¨ fühlen.  Wir wechseln die ¨Heimat¨ - von Berlin nach Calla.  Hier haben wir unsere Wurzeln geschlagen, dies sind unsere Seelenorte.  Beide Orte sind - unterschiedlich natürlich - eng mit unserem Leben mit Florian verbunden.  Er ist oft in unseren Gesprächen und Erinnerungen.  Hier mehr als in Berlin. Hier lenkt - das ist der Unterschied - nichts von den inneren und äußeren Bildern ab... Das Leben ist purer - gegenwärtiger, bewusster als in der Stadt.


Wir haben in dieser kurzen Zeit eine Menge erlebt. Ein Highlight - neben dem Konzert - war natürlich der St. Patricks Day!  Es war das erste Mal, dass wir zu diesem wichtigen irischen Tag in Irland waren. Überall waren die Hinweise auf die Paraden in den Dörfern und kleinen Städten zu sehen - und wir entschieden uns für Clifden.

Ich möchte Euch einfach eine Auswahl unserer Fotos zeigen, die viel mehr aussagen als meine Worte!










Wir sind hellauf begeistert von der Parade, von den Ideen, die mit einander im Wettstreit liegen - Schulen, private kleinere Unternehmen, Vereine - es ist ein buntes Treiben und vor allem die Gesichter der Kinder haben es mir angetan! 
Das Wetter könnte besser gar nicht sein. Es ist fast frühsommerlich warm und alle sind glücklich.
Clifden ist auf den Beinen. An solch einem Tag erfährt man, wie viele Menschen hier leben!



 Neben den Highlights aber sind es gerade die Ruhe, das "In-den-Tag-leben" und jeden Tag voller Vorfreude zu begrüßen, die das Leben im School House und in Irland so wundervoll und so besonders machen. Der vorsichtige Blick, wenn wir morgens die Vorhänge aufziehen und zum Himmel schauen - die Kühe auf der Weide gegenüber begrüßen und dieses kleine Glück im Bauch, das sich ausbreitet, wenn der Himmel nicht grau, sondern blau-weiß ist :) 
Wir hatten Glück - viel Glück und konnten die Tage mit weiteren Erkundungen der näheren Umgebung genießen. Sie hat sich verändert, die Natur, es blüht immer mehr und bald werden die Narzissen durch die Lilien abgelöst werden. Überall Lämmer und Kälber - Frühling in Irland!

 








....."Einer der einsamsten Aspekte der Zeit ist die Vergänglichkeit. Die Zeit geht vorüber und nimmt alles mit sich fort. Es hat noch nie eine Morgenröte gegeben, die, so lieblich und verheissungsvoll sie auch sein mochte, nicht zum Mittag herangewachsen wäre. Es hat nie  einen Mittag gegeben, der sich nicht zum Nachmittag und Abend geneigt hätte. Es hat noch  nie einen Tag gegeben, der nicht in der schwarzen Erde der Nacht zur Ruhe gebettet worden wäre. Auf diese Weise macht die Vergänglichkeit aus allem, was uns widerfährt, Geister und Schatten...."

John O'Donohue


Euch lieben LeserInnen wünschen wir nun ein sonnig-schönes Osterfest!
Danke für Euer Interesse!!!

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