Montag, 2. Oktober 2017

Herbsttage in Calla (8)



19.09.2017
Das Datum sagt es deutlich:  nur noch 4 Tage bis zur Abreise und ich werde wehmütig, wenn ich daran denke, gehen zu müssen. Das Wetter heute versucht, mir den Abschied zu versüssen, aber es klappt nicht.  Denn diese Wochen haben mich ein Stück mehr gelehrt, das Wetter nicht so ernst zu nehmen:  ¨ You got to make the best out of it¨.. Und so haben wir - im Rückblick - trotz überwiegend herbstlich kühlem und oft bedecktem Himmel und Regen, eine sehr gut Zeit hier gehabt..  
 
Hier nun einfach mal ein paar im Bild festgehaltene Momente, die von dem erzählen, was nicht in Worten festgehalten wurde :)

Ich liebe die irische Mode für Männer und bin ziemlich entgeistert von der der Frauern :)

 



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Dies ist "Elvis".  Er steht auf einer Wiese vor Roundstone und wir halten bei jedem Vorbeifahren nach ihm Ausschau....

Hier stimmen die Proportionen einfach nicht :)

 
Spiegelung in einem Schaufenster in Clifden 

 Eingang zu einem unbewohnten cottage auf Bunowen...


 "walking the dog"...... - Strandszene an Gurteen Bay


Alter Ballyconneely Friedhof

Sonnenaufgang über dem See bei Clifden und dem Bog in Calla


Nun aber eine Rückschau auf die vergangen Tage, denn es ist - wieder - einiges passiert und will festgehalten werden.


Astrid hat uns besucht - und mit ihr kam die Sonne und mit der Sonne wieder die Strandlust, die wir durch die Tage der Stürme völlig verloren hatten. Wir trauten uns kaum aus dem Haus.. Und plötzlich steht die Luft wieder still!   Ein wunderbares Gefühl und es ist mild und die Landschaft erstrahlt in ihren unvergleichlichen Farben. Ich habe sie vermißt! 



Die Halbinsel über Dogs Bay war frei von Kühen, so dass wir weit laufen konnten. Die Blicke sind wundervoll, der Atlanktik ist hier so vielfarbig und alle Töne von Blau fließen ineinander. Riesige Felsen an denen er sich bricht und zwischen ihnen Tümpel wie Bassins, in die man sich legen würde, wär es wärmer!  Trotz der Sonne ist es kühl und selbst Astrid zieht es nur ganz kurz ins Wasser...Wichtig auf diesem Spaziergang war die Suche nach der Stelle über Dogs Bay, an der wir ja zwischenzeitlich wissen, dass dort die Asche von Susan verstreut und dem Wind überlassen wurde. Wir hatten von Michael eine vage Idee bekommen und machten uns auf - über die Wiesen hoch über der Bucht - diesen Ort zu finden.
Ein Foto, dass Iris mir gab, sollte uns helfen.  Es zeigt das in die Wiese gelegte Herz aus Steinen und Blumen, in dem die Asche liegt. 


Astrid findet eine Art Kreis von Steinen, die denen auf dem Foto ähneln und versucht, sie zu einem Herz zu legen.. Ich gehe weiter und stehe mit einem Mal auf einem Felsenplateau, das meine Schritte anhalten läßt:  Wie in einer Spirale hat die niedrige Wiese sich an den Fels geschmiegt.. Dieser Ort hat etwas Magisches und ich lasse es auf mich wirken... Hier sehe ich Menschen trommeln, singen, Abschied nehmen von Susan und ich erkunde den Platz etwas mehr und finde einen Halbkreis von Steinen, die ebenfalls an die auf dem Foto erinnern und ein Teil eines Herzens sein könnten...

Andere, ähnliche Steine liegen in der Nähe verstreut...
Ich rufe die beiden und zeige ihnen diesen Ort.  Er liegt etwas geschützt unterhalb des Plateaus - und würde in dieses innere Bild passen....die Asche, die dort ruht und der Platz, auf dem man sitzt und singt und musiziert und den weiten, wundervollen Blick über die Bucht auf den Erisbeg... Ein unglaublich schöner Ort.




.....„Ich fragte die Erde, ich fragte die Abgründe des Meeres, ich fragte die lebenden Tiere, alles was kreucht. Ich fragte den säuselnden Wind, ich fragte die Himmel, die Sonne, den Mond, die Sterne und alles, was an den Pforten meines Fleisches steht..... Meine Frage war mein auf sie gerichteter Blick. Ihre Antwort war die Schönheit.....“  
 (Augustinus)


Nur schwer kann ich meine Gefühle beschreiben. Ich fühlte mich mit einem Mal dieser unbekannten Frau, die immer mehr Gestalt annimmt, so sehr verbunden und nah und ich hatte den Wunsch, meinen Abschied (wann immer er sein wird...)  genau auch wie sie, an diesem Ort zu nehmen und mich in den Wind streuen zu lassen..

Vielleicht ist Susan so etwas wie eine ¨ geistige Mentorin¨ hier für mich geworden.. Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich von ihr noch mehr erfahren möchte.

Wir haben es gut zusammen, nach den Ausflügen und Spaziergängen liegen wir hier geschützt in der Sonne, trinken Tee/Kaffee im ¨swimmingpool¨, vor dem endlich wieder die Kühe grasen!  Pete hat sie von der Weide gegenüber wieder auf ¨unsere Wiese¨ getrieben.  Es gibt nun 6 Kühe und zwei Kälber; das heißt, Pete ist reicher geworden :)  Die Weiden sind durch den Regen sehr feucht und starren vor Binsen, die Steinmauern verfallen. Dr Radius für die Kühe weiter sich.. Und in dieser Nässe tragen sie im Pietland ¨ schwarze Kniestrümpfe¨.

¨ All I learned for life I learned from a cow¨... Fällt mir immer wieder ein, wenn ich ihn mit seinem Stock wedelnd auf der Wiese sehe.  Sein Leben unterscheidet sich im täglichen Rhythmus nicht viel von dem seiner Kühe.  Er steht wohl mit ihnen auf - und lange brennt in seinem Cottage abends nicht Licht.  Der Torfberg  neben seinem Haus ist riesig - für den Winter  ist vorgesorgt und mit Sicherheit ist dies die einzige Wärmequelle dort! Ein karges, sehr einfaches Leben. Nie sehe ich Menschen bei ihm und wenn wir ihn ansprechen, dann bekommen wir eher ein Brummen als ein Wort zurück... Das ist eben Pete!

Ein Wetter-Highligt bildet der Sonntag und wir beschließen, nicht nur zu waschen und die angekündigten 11 Stunden Sonne praktisch zu nutzen, sondern einen Strandtag mit Surfbrett, das Astrid bei sich hat, zu genießen:  auf Bunowen, bei Dunlaughan, gibt es einen Strand, an dem wir öfter Surfer gesehen haben und an diesen Strand war Astrid am Vorabend schon einmal gefahren und begeistert und durchgefroren zurückgekommen!

Heute ist der Strand leer und die Wellen - zu Astrids Enttäuschung - leider nicht so hoch, wie erwartet.  Ich freue mich einfach auf eine Sonnenpause in einer geschützten Felsbucht und schaue den Geschwistern zu, wie sich sich - zunächst der Bruder - in den Neoprenanzug zwängen, der vor dem kalten Wasser schützen soll.. Sogar die Schuhe passen beiden und so macht sich Hans-Jürgen als erster mit dem Board auf in die Wellen.  Beide Geschwister sind begeisterte und gute Schwimmer und in den folgenden zwei Stunden höre ich fröhliches Kreischen vom Atlantik her :) und nicht das der Möwen über uns!!!


Für Astrid begann am Montag die neue Woche in Camphill, für uns die letzte Woche hier in Calla und wir beschlossen, das gute Wetter, das auch gestern herrschte, zu nutzen, um endlich die Wanderung über die verlassene Insel vor Roundstone, Inishlacken, zu machen. Die Überfahrt mit dem Boot konnten wir abends noch buchen und  Patrick versicherte uns, dass die die Flut gegen14 Uhr hoch genug sein würde, um uns hinüberzufahren.

 Good night for today

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