Donnerstag, 19. Juni 2014

Diary Juni 2014 - Teil 2



29.5.2014

Ich muß einen Sprung machen, denn was wir im Moment an ¨Wetter-Wunder¨ erleben, muß festgehalten werden, weil ich nicht weiß, wie lange es hält!
Seit Sonntag, Hans-Jürgens Geburtstag, haben wir Sommer! Wir fassen es selbst kaum: Frühstück auf der kleinen, geschützten Terasse hinter dem Haus - und das jeden Morgen. Das hat es in all den vielen Jahren hier noch nie gegeben!  Wie schön, dass wir nun Gartenmöbel haben :)



Das Wetter bringt schafft natürlich auch die Möglichkeit, ausgedehnter Spaziergänge - und wir beschränken uns noch auf unsere nahe Umgebung. Sie ist einfach zauberhaft und so abwechslungsreich und  vielfältig, dass das Gefühl, den Bogen weiter zu spannen, bisher gar nicht aufkommt.

Da die Wiesen einigermaßen trocken sind, versuchen wir uns auch im direkten Zugang vor dem Haus zum Strand, geben aber doch auf.  Das Marschland, völlig verschilft ¨trägt Gelb¨ - wie im vergangenen Jahr. Eine Lilienart, die ich noch ergründen muß. Es ist Land, das - wie das hinter dem Haus zum Maumeen Lake  - zu rein gar nichts zu gebrauchen ist, außer als Weide und wenn es zu naß ist, nicht einmal dazu. Sogar Stellen, die trocken aussehen sind mit Wasser vollgelaufen und es saugt an den Füßen, wenn man drauftritt. 


Einige Tage später wagen wir den Gang zum See hinter dem Haus und vertrauen darauf, dass es etwas trockener ist.. Es ist mühsam, da man jeden Schritt sehr präzise auf die kleinen Grasnarben setzen muß, um die herum das Wasser steht und wir nicht wissen, ob wir dort nicht tiefer einsinken..  Felsen unterbrechen und  wie kleine Inseln, auf die man sich rettet, um den weiteren Weg zu planen... Wir schaffen es, sitzen am Ufer des Sees, den wir meist nur als glitzernd-blauen Flecken im Blick haben und genießen die absolute Stille und Ruhe und Weite des Blicks.
Am anderen Ufer grasen Kühe. 

 
 Dies sind die kleinen magischen Augenblicke in Connemara... Das Verschmelzen mit der Natur, das Wissen um die Größe und Weite und die Unendlichkeit und unser kleines Dasein, ein winziger Ausschnitt im Großen.  Es sind berührende Momente, die wir meist still - jeder für sich - auf uns wirken lassen! 

Das School erscheint wie ein Spielzeughaus am Horizont, aber allein sein Anblick weckt ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Es ist uns wirklich Zuhause geworden: our home in Ireland!
John O'Donohue sagt:

¨Das Wort ¨Zuhause¨ besitzt eine wundervolle Klangtiefe.Das Zuhause ist, wo wir hingehören. Es ist unsere Zuflucht und unser Ruheplatz, der Ort, wo wir ¨wir selbst¨ sein können....¨
Aus:  Echo der Seele


So sehr es mich berührt, dass ich (und  immer mehr Menschen um mich herum) von ¨Flori-Land¨ sprechen, so ist es doch so, dass Florian durch uns und angesteckt von unserer Begeisterung von dieser Insel, nach Irland kam - nicht umgekehrt. Dass er selbst so tief eintauchte, dass er selbst Irland zu seiner zweiten ¨Heimat¨ gemacht hat, das konnte zu Beginn seiner Reise niemand wissen und ahnen. Dass Florian aber 2000 zurück kam, um hier an diesem Ort der Welt zu sterben, das hat dieser Insel für uns eine Bedeutung gegeben, die alles andere völlig überstrahlt. Durch dies schreckliche Schicksal ist es mir wie eine Verpflichtung, hier ¨weiterzuleben¨ und Florian durch meine Augen sehen zu lassen, was seinen verwehrt wird. Und dann ist ¨Flori-Land¨ eben auch wundervoll ausgedrückt! 

¨ Ich werde unsere zwanzig Jahre durchgehn, bis
Ich fast den Schluchzer im Verstand erreiche,
Die Wahrheit, die mit ihrer lauten Trauer wartet:
Vernünftig, abgedroschen, völlig unbegreiflich¨...


Schreibt  der schottische Dichter Douglas Dunn in seiner Elegie ¨der klare Tag¨ mit der er den Tod seiner Frau betrauert.  

 Und O'Donohue schreibt:
¨...Unsere Seele kreist friedlos um diesen inneren Tempel, in dem jetzt nicht mehr verbleibt als das traurige Echo des Verlustes....¨

Aber zurück in unsere heutige Realität -IRLANDS:


 Zur anderen Seite liegt unser Strand, der uns erneut hellauf begeistert. Wir haben die Gezeitentabelle in der Küche hängen und  wissen so, wann wir über en Strand zur Insel laufen können, auf der wir die Schafe und Lämmer grasen. Der Name der Insel ist für unsere Ohren sehr ungewöhnlich:  ¨Inishdawros¨ oder gälisch: Inis Damhrai - aber das nur am Rande. Ich denke, dass die meisten hier nicht wissen, wie sie heißt.
Nachdem uns letztes Jahr die an den Strand geschwemmten kunterbunten Schnecken begeisterten, entdecken wir 

dieses Mal Bänke mit Muscheln (Pilgermuscheln). 






Der Strand zieht sich bei Ebbe an der zerklüfteten Küste entlang, an der die Häuser in größeren Abständen aufgereiht sind. Seit dem Sturm im Dezember ahnen wir, dass die - früher sicher sehr begehrte ¨erste Reihe¨ mit Sicherheit sehr gelitten hat (Matthew wird uns später von den wirklich unglaublichen Schäden erzählen) und niemand wird sein Haus wohl noch so dicht an die Küste bauen. 
Die Schäden sind auch noch immer an den Ufern zu sehen. Die Wiese hängt hier und da wie in großen Fetzen unterhöhlt über der Sandwand.  Oder Zaunpfosten, die dort auf der Wiese eine Weise einzäumten, hängen wie große Zahnstocher in der Luft.
Hinterlassen hat das Meer auf der Insel und an der Küste sehr viel Müll, der weitgehend von von freiwilligen Helfern zu Beginn des Jahres eingesammelt wurde.. Leider scheint unsere Insel noch ausgenommen zu sein. So finden wir zwischen Plastik, Tauen und Netzen jedoch auch die bunten ¨Bälle¨ der Fischerboote, die wir nach Hause tragen: maritime Dekoration für den Garten :) 

Mit Astrid erkunden wir einige Strände - vor allem natürlich ¨Dogs Bay¨, der offensichtlich am meisten abbgekommen hat. Sein Ufer ist nun eine Steilküste und die abgebrochene Straße zwingt zu seiner etwas waghalsigen Kletterei über Felsen, um überhaupt an den Strand zu gelangen.
Dennoch: der Anblick dieser Bucht mit ihrem weißen, breiten Sandstrand und dem türkisfarbenen Wasser des Atlantik, der hier in sanften, sich kräuselnden Wellen auf dem Sand ausläuft, ist einfach spektakulär! 
Über das andere Ufer, das ziemlich steil auf die Wiesen führt, lassen wir uns zwischen grasenden Kühen einfach treiben:  es ist ein Blühen und die Füße laufen über einen bunten, weichen Teppich. Das tut dem Rücken gut, der unter der Gartenarbeit sichtlich gelitten hat!


Es weht noch immer ein kühler Wind - aber der Himmel hängt voller Watte und es bahnt sich offenbar noch bessesres Wetter an!
Man kann sich an dieser Schönheit einfach nicht satt sehen.  Kleine weiße Buchten tun sich auf und Astrid ist - auch bei kalten Wassertemperaturen, die unsere Füße kaum ertragen - nicht von einem spontanen Bad abzuhalten!

Ich enttdecke im Ausgang dieser Bucht, die in einem schmalen ¨canyon¨ zur Wiese hin ausläuft, den Kadaver eines Delphins.  Er muß sich hier in diese Enge  verirrt haben und den Rückweg nicht mehr gefunden.  Es ist ein trauriger Anblick.

Gurteen Bay, das ähnlich schwer betroffen war, ist zumindest bevorteilt, in dem die Straße, die zum Friedhof führt, der direkt auf den Strand und das Meer schaut, wiederhergestellt ist.
Es ist auch der einzige Zugang zum Friedhof.
Ich beschließe, dass meinem Rücken dieser Weg heute gereicht hat und Hans-Jürgen holt das Auto, während Astrid noch einmal ins Wasser springt... Wenn ich mir die - ziemlich dick und mit Mützen bekleideteten Spaziergänger am Strand betrachte, so erscheint ihr Bad in doch ziemlich spektakulärem Licht!  Eine Mutter setzt sich mit ihren beiden kleinen Kindern in die Nähe in den Sand. Das Baby, dick vermummelt, ist barfuß und fängt sofort an, mit den Füßchen im Sand zu spielen, während der kleine Bruder seine Förmchen füllt und ¨turtels¨ und ¨horses¨ aus Sand erstellt.... Anblicke wie dieser werfen einen kurzen, schmerzlichen Schatten auf meine Seele..
Was wäre wenn... Florian fehlt!

Der Geburtstag von Hans-Jürgen in Irland erinnert uns natürlich an den, den wir mit Florian 1996 in Ballynahinch verbrachten und wir beschließen, mit Astrid, die ihren Rückweg nach Camphill antreten muß, dort einen Pub-Imbiss zu nehmen.. Imbiß im Pub eines Hotel-Schlosses ist natürlich kein gewöhnlicher... Und wir genießen die Atmosphäre am großen Kamin, in dem riesige Scheite brennen und die gedämpfte Unterhaltung an den anderen Tischen.. Alles ist einfach und niemand scheint von der Schloßatmosphäre zu tief beeindruckt zu sein. Ein Pub eben!
Wunderbar!
Wir sprechen über ¨damals¨, über diese glücklichen Tage mit Florian hier an der Küste. Vielleicht sind wir mit ihm am School House vorbeigefahren. Es ist mir ein tröstlicher Gedanke, dass er dies hier alles gesehen hat!  Er weiß also, wo wir sind!
Dennoch entstehen  hier immer eine Wehmut und eine tiefe Sehnsucht! Nichts ist mehr wie es war. Daran kann und wird sich nichts ändern! 



Ich muss etwas zu dem Platz sagen, an dem ich sitze und schreibe.  Es ist das kleine Zimmer gegenüber dem Eingang. Es hat, wie auch die kleine Halle, die wir ¨porch¨ nennen, den alten Schulhausboden aus kleinen quadratischen, roten Ziegelsteinen. Wir haben sie, soweit es ging, von den Resten der mehrschichtig verklebten Teppiche, befreit, aber die Spuren sind noch sichtbar und sie stören uns nicht.


Ein an der Wand befestigter Tisch und ein erhöhter dazu passender Stuhl, gewähren einen Blick über den Garten, auf die blühenden Felder und Küste. Hier macht sich die Sonne jeden Abend daran, diesen Teil der Erde zu verlassen und an einem anderen aufzugehen. Ein abendliches wundervolles Schauspiel. Die Küste wird in rot und lila getaucht und der Himmel färbt sich und färbt die Berge hinter dem Haus. Was für ein Ort, was für ein Glück, hier zu sein!
Heute grasen auf der Weide gegenüber im unwirtlichen, sumpfigen Gelände die Kühe. Man wundert sich, wie sie es schaffen, nicht mit ihren Beinen stecken zu bleiben.. Wir haben jedenfalls noch keine gesehen, die ¨stuck im bog¨ war.



In dem einfachen cottage gegenüber, das zwischenzeitlich unter den abgetragenen Bergen von Bog zu sehen ist, ist einer der beiden Brüder gestorben. Er  stand oft nebenan auf seiner Wiese mit einer Sense in der Hand, die er jedoch nicht bewegte. Er schien an sie gelehnt und der Blick ging über die Schulter hin zur Straße. Bridgit meinte, er sei auf der Weide mit seinen Kühen umgefallen und an einem Infarkt gestorben. Ein guter Tod, denken wir.


Diese  beiden alten Männer sind nicht die einzigen, die hier alleine in sehr "schlicht" aussehenden, alten Cottages leben. Vor Ballyconneely stoßen wir auch ab und an auf einen Mann, der sichtlich leicht verwirrt auf der Straße auf und ab geht. Sein Cottage steht auf der Meeresseite und in den neben dem Haus stehenden Ruinen grasen die Kühe. Ein sehr malerisches Bild eines sicherlich sehr entbehrungsreichen Lebens.

Durch unseren Kontakt zu Cornelia, die hier sehr lange schon viel Zeit verbringt, aber auch durch Bridgit, die hier in Murvey aufgewachsen ist und alle kennt, erfahren wir über die Menschen, über ihre Leben und Schicksale. Das ist wichtig für uns, um uns nicht zu sehr als ¨Fremdkörper¨ zu fühlen. Sicherlich, wir sind ¨the Germans¨ - aber das sind wir ja auch. Ob wir Iren werden, wage ich doch zu bezweifeln... Aber wäre sehr gerne ¨ irish¨, muß ich gestehen. Ich stelle mir dabei vor, dass die Menschen (zumindest in Europa, in den USA mag das sicher anders sein), immer ein Lächeln in ihre Gesichter bekommen, wenn ich mein Herkunftsland nenne, was man mit Deutschland nicht gerade verbindet. Gut aber, dass die Iren ¨the Germans¨zu mögen scheinen... Haben wir ihnen doch den Weg unter den ¨Rettungsschirm¨, den sie zum Glück wieder verlassen konnten, ¨geebnet¨... 
Und was verbinden die Europäer mit Irland? Meist natürlich ¨Regen¨, ¨Guiness¨, ¨die IRA, Außenposten Europas im Westen..  Nein, man weiß im übrigen Europa noch immer nicht viel von dieser Insel, außer dass sie ¨grün¨ ist und die friedvollsten, nettesten Fußballfans und die am besten streichbare Butter hat :) 


Was diese Insel wirklich zu bieten hat, erfahren die, die sich hierher ¨wagen¨ - weg von den Trampelpfaden und wer den ¨Geist dieser Insel¨ nicht erfasst, der wird mit Sicherheit in seinen Vorurteilen bestätigt!  Wir haben es aufgegeben, Menschen nach Irland zu lotsen, denn wir erleben ¨ unser Irland¨ und sie das ihre... Und das muß keineswegs viel mit einander zu tun haben.

Aber zurück zu den Tagen mit Astrid, denn sie waren der Beginn der Sommertage und um ihr die Küsten hier zu zeigen, fuhren wir auch nach Bunowen. Bunowen ist bekannt wegen einem der sicherlich schönsten Golfplätze. Aber er ist nicht die eigentliche Attraktion, denn diese sind die Strände..ausgedehnt, breit - und wie Dogs Bay mit feinstem weißen Sand und den wundervollen Blautönen des Wassers... Südsee kommt einem in den Sinn und wir sind froh, nicht dort, sondern hier zu sein!
Wir gehen ein langes Stück, die Füße immer wieder im Wasser, das jedoch nicht wärmer zu werden. Immer wieder wird unser Weg durch runde Felsen unterbrochen, über die wir klettern, oder kleine Trampelpfade führen hindurch.. In den Felsspalten wachsen, wie überall, kleine rosafarbene Blümchen. Sie bezaubern den Blick. Aus dem Nichts wächst so viel Schönheit! 




Auf dem Rückweg stehen die Strahlen der Sonne fast waagrecht, so tief ist sie bereits hinter dem Horizont. Sie taucht alles in ein goldenes Licht, in dem jeder einzelne Gashalm zu leuchten scheint. Selbst die Steinmauern sehen so aus, als seien sie aus wertvollem Material.
Das ganz besondere Licht Connemaras!


Mittwoch, 18. Juni 2014

Diary Juni 2014 - Teil 1







Ireland Diary, May/June 2014

¨Die keltische Weisheit wusste, dass die Natur beseelt ist und einen eigenen Geist besitzt. Berge haben eine große Seele voller Erinnerung. Ein Berg wacht über eine Landschaft und lockt  ihren Sinn zum Horizont. Bäche und Flüsse rasten nie; sie sind unermüdliche Nomaden, die weder Form noch Ort für sich beanspruchen. Steine und Felder bewohnen eine meditative Reglosigkeit und scheinen allen Wünschen gegenüber immun zu sein.... 

Die Natur ist von unaufhörlichem Gebet umhüllt. Anders als wir scheint sie nicht unter   der Trennung oder Distanz zu leiden, die das Denken bedingt. Die Natur scheint nie von ihrer eigenen Gegenwart abgeschnitten zu sein. Sie lebt ununterbrochen in der Umarmung ihrer eigenen  Einigkeit. Vielleicht hat sie, ohne dass wir es wissen, Mitleid mit uns Heimatlosen undZerstreuten. Ohne Zweifel weiß sie unseren rastlosen Geist zu beruhigen, wenn wir uns nur demSchweigen und der Stille ihrer Umarmung anvertrauen.¨

John O'Donohue
Aus: Landschaft der Seele




27.5.2014

We brought the sun!  Unglaublich, dass auch diese Rückkehr unter diesem glücklichenStern steht und - bis auf den ersten Tag - da waren wir noch mit Ankommen und Auspacken beschäftigt, haben wir sommerliche Temperaturen! ¨What a lovely weather. Hope you weren't here last week!¨ Ja, wir machen unserem Ruf wieder alle Ehre und am meisten freuen wir uns selbst :)

Aber wieder der Reihe nach...

Dublin empfing uns mit wolkenlosem Himmel, so dass wir die grüne Insel schon von oben herab sahen. Ein Austausch von Blicken und beide hatten wir die Augen voller Tränen:  We are coming home! ¨Wenn wir das nicht mehr erleben, dann können wir das Haus wiederverkaufen¨.. meinte  Hans-Jürgen, sichtlich berührt und ich stimme ihm zu.  Diese innere Bewegtheit, die Vorfreude, die Neugierde auf das, was auf uns zukommen wird, das muss bleiben! Auch meine Anspannung beim Betreten der Eingangshalle bleibt... Ich schaue nicht mehr in  die dort wartenden, angespannten Gesichter, ignoriere die Freude und Umarmungen..
Schnell weg - schnell weiter….

Die Formalitäten sind Routine und auch, wenn sich immer wieder etwas verändert, sind wir doch inzwischen schnell auf der M 50. Wieder empfiehlt uns unsere Autovermittlung einen größeren Wagen zu sehr günstigen Bedingungen und wieder greifen wir zu, denn noch einmal müssen wir bei IKEA einen Stopp einlegen.. und wieder hat sich die Größe des Autos sehr gelohnt! Diesmalsind es Gartenmöbel, die wir einkaufen und viele Kleinigkeiten, die Weihnachten noch fehlten!
Aber auch bei IKEA kennen wir uns zwischenzeitlich gut aus. Wie auch beim letzten Mal ist derWagen bis auf den letzten Winkel vollgepackt, als wir bei sonnig-freundlichem Wetter Richtung Galway losfahren. Ob wir die  Sonne wirklich mitbringen? Sicher jedenfalls ist, dass für Berlin bis zu 30° vorhergesagt waren - und wir froh, der Hitze zu entkommen. Diese Temperaturen hiersind angenehm, ein leichter Wind.. Mal sehen, wie es werden wird.



Schnell sind wir in Galway und nun erst beginnt der interessante und schöne Teil der Anreise
 ...Connemara!
Wenn letztes Mal die Gipfel der Tvelve Bens weiße Hauben trugen, so stecken sie heute in den Wolken und insgesamt wird es etwas diesiger. Kurzer Einkauf mit dem Nötigsten in Clifden (so verpassen wir leider die besonders schöne Anfahrt vorbei an Ballynahinch auf dem ¨WildAtlantic Way¨, auf dem wir dann aber von Clifden aus zum School House fahren. (Eine touristische Neuerung dieser Name - aber er drückt sehr schön aus, wie besonders diese kleine Küstenstraße ist -nämlich wild and  very beautiful!) Wie viel Menschen er anlockt, sollten wir in den nächsten Wochen immer erfahren...

Wir halten bei ¨Keoghs, um Torf zu kaufen und während Hans-Jürgen durch den Pub in den geschlossenen Supermarkt gelangt, vertrete ich mir die Füße, atme die frische Luft und lasse  ganz langsam dem Gefühl: ¨Wir sind zu Hause¨ Raum in mir..Aus dem Pub kommen zwei leicht angeheiterte Männer „..Oh look at her - isn't she beautiful¨ -klopft der eine dem anderen auf die Schulter, ¨just look - so beautiful¨ - und ich muß aus vollem Halse lachen... „Welcome to Connemara“ :)



Das Tor steht offen - nicht ganz freiwillig, denn ein Flügel ist demoliert! Niemand hat uns das gesagt und beim Aufschließen des Hauses die bange Frage, war's da  oder was erwartet uns wohl noch?


Das Haus macht einen guten Eindruck! Ein Rhododendronstrauß auf dem Küchentisch - und an der kleinen Tafel in der Küche steht ein Gruß von Bridgit und Martina! 




Es ist warm im Haus und der Blick in jedes Zimmer bringt uns wieder in dieses Staunen, wie harmonisch und schön die Räume doch sind, hell und freundlich und überaus einladend!


Der Garten sieht ganz anders aus: die Wiese hinter dem Haus ist ziemlich hoch, Büsche von Margariten, die noch nicht blühen, lassen auf die Schönheit hoffen, die wir im Moment noch nicht so recht erkennen können.. Ein wenig Enttäuschung bei uns beiden, zu hoch die Erwartungen.  



Die Hecken scheinen sich nicht bewegt zu haben - und wir hatten gehofft, dass sie zB. den Tankein wenig verdecken würden.. Viel Löwenzahn hat sich überall breit gemacht -kein Zeichen von„Pflege¨ und auch im Kies der Auffahrt scheint sich manch Unkraut sehr wohl zu fühlen...Wir ahnen es bereits: Es wartet sehr viel Arbeit auf uns und das dämpft dann doch - zusammen mit der Müdigkeit - ein wenig die Stimmung des ersten Abends. Entsprechend schlecht schlafen wir beide... Aber das wird sich  ändern!  
Schön ist, dass der frühere Kräutergarten hinter dem Haus an der Terrasse sich gegen alles Gras  und Unkraut durchzusetzen scheint:  es duftet nach Minze, die ein ganzes Beet an der Hauswand füllt. Und wir beschließen, diese Ecke weiter mit Kräutern zu bepflanzen - Kräuter undGräser - das passt zum Haus und der Umgebung und Rosen wollen wir vor das Haus pflanzen.




Der Donnerstag empfängt uns mit sehr kühlen Temperaturen und regnerischem Wetter. Es stört uns nicht weiter, hält uns aber erst einmal von Gartenarbeit fern!  Wir richten uns ein - alles ist schon einmal gewesen..-  diese Arbeiten gehen uns flott von der Hand. Das Kaminfeuer brennt und wir beschließen, uns Torf bringen zu lassen, was sich beim letzten Mal bewährt hat. Im ¨Supervalue¨ in Clifden  hängen diverse Zettel und wir greifen uns einen, der anbietet, den Torf in Säcken ans Haus zu bringen.

Clifden ist wie ausgestorben. Es scheint noch keine Saison zu sein, oder alle haben sich bei diesen wirklich unangenehmen Temperaturen verkrochen. Ich bin froh, dass ich meine dicken Pullover im Dezember hiergelassen habe und schlüpfe in meinen Irish jumper! 

Wir haben schnell  alles in und um das Haus inspiziert und beginnen mit der Erstellung der Listen:
Eine Liste für den Besuch der Architekten in der nächsten Woche, eine Liste mit den Arbeiten, die Fechine nicht erledigt hat und diese Liste ist sehr lang!  Wir sind bitter enttäuscht, denn es sieht tatsächlich so aus, als habe er NICHTS von all den Arbeiten, die wir besprochen hatten, erledigt. Dann ist die eigene ¨to-do-List¨, die auch nicht gerade kurz ausfällt!
¨So richtig nach Urlaub sieht das wieder einmal nicht aus¨ - konstatieren wir abends am Kamin. Es gibt aber auch etwas, das uns große Freude bereitet: das Lesen des Gästebuchs. Immerhinwaren zwischenzeitlich acht Parteien im Haus und alle sind sich einig, dass es ein magisch schöner Ort und ein wunderschönes, gastliches Haus ist. Dies ermutigt uns noch einmal,alles richtig gemacht zu haben!


Zunächst einmal kommt Besuch:  Astrid, Hans-Jürgens Schwester aus Tipperary und wir freuenuns wirklich sehr auf sie, denn sie ist einer der größten ¨fans¨ des School House‘ und sie kommtzum bevorstehenden Geburtstag ihres großen Bruders. Und: Das Wetter hat sich besonnen und der Samstag empfängt und  mit blauem Himmel, in dem dicke Wattebäusche hängen.. Oh dieser irische Himmel ist einfach wunderschön: Selten haben wir diese spannenden und schönenWolkenformationen anderswo erlebt:  Wie auf einem Kinderbild gemalt - Schäfchen, dicke, fette Schäfchen am Himmel!



Mit Astrid geht es in den Garten und wir staunen, wie schnell wir mit den Arbeiten, die  wir uns jeweils vorgenommen vorankommen:  Jedenfalls sieht es am Abend schon richtig gut aus! Wir unterbrechen die Arbeit mit einem Capucchino und einem Sandwich in Clifden. Unser täglicherBlick ins Netz - er muß sein, denn die Vermietung des Hauses läuft weiter - und wir sind auch gerne hier mit den wichtigen Menschen im ¨kleinen Austausch¨ verbunden.  Die Kommunikation  wird sehr eingeschränkt und lange mails nicht gelesen :)  Das geht bei diesen kurzen Besuchen im Café nicht anders. Die blogs schweigen und die Gedanken sind wirklich ganz und gar im Hier und Jetzt! 

¨ Ich stelle mir vor, dass die Berge von der Ankunft des menschlichen Auges träumen. Wenn das Auge sich öffnet, ist es wie die Morgenröte, die den schwarzen Vorhang der Nacht  aufreißt. Wenn es sich öffnet, entsteht eine neue Welt¨.



John O'Donohue
Aus: Landschaft der Seele



Dieser Zustand, des Eintauchens geschieht nicht automatisch, spüre ich. Ich muß erst in mir den Raum schaffen, dies zu ermöglichen. Ein wenig irritiert mich das. Es ist, als würde ich sehr viel Ballast tragen und meine Hände und mein Herz sind damit ausgelastet. Noch kein Platz für das Schöne und Berührende, das ich einige Tage später  in mich aufsauge! Ich erkläre es mir so, dass dies der Preis dafür ist, dass wir mit diesem Haus auch sehr viel Verantwortung übernommen haben. Erst, mit dem Gefühl, das Anstehende auch schaffen und erledigen zu können, kehrt Ruhe und mehr Gelassenheit ein.