Montag, 13. Januar 2014

Tagebuch Dez. 2013 V "Gäste"



...."Wenn wir allein hinausgehen + in die Einsamkeit eintauchen, kehren wir heim zu unserer Seele. 
Wenn wir einen Platz in der Natur finden, an dem Geist und Herz zur Ruhe kommen, 
dann haben wir einen Zufluchtsort für unsere Seele entdeckt.
Die westirische Landschaft bietet der Seele bereitwillig Schutz und Geborgenheit...."

John O'Donohue
"Echo der Seele" 
 




Wir sind uns sicher, diesen Ort für unsere Seelen gefunden zu haben!


 Blick von der (entstehenden) Terasse neben dem Schuppen auf den bog


29.12.2013

Hoechste Zeit, wieder zu schreiben...die Tage eilen dahin und wie schnell haben wir vergessen, was ¨gestern¨ war.

Dass der Sturm, der in der Zeitung inzwischen als ¨hurricane¨ bezeichnet wird, uns nichts anhaben kann, erwies sich - leider - als Trugschluß, denn wir hatten in der gleichen Nacht einen ersten Stromausfall. Astrids Kommen stand ebenfalls in Frage, da auch Tipperary ohne Strom war. Schön, dass sie sich schließlich doch auf den Weg machte und nach dem Frühstück kam der Strom - zunächst - zurück. Aufatmen. Die Heizung war nur kurz ausgefallen und das Haus wurde schnell wieder warm.

Einkauf und Blick ins Internet und whatsapp in Clifden in  UPSTAIRS DOWNSTAIRS, wo es den besten Cappuchino gibt.  Zu unserer großen Freude gab es gleich 2 Anfragen für das School House im  April und 2 Anfragen für ARSINOE!  Was für eine Freude.

Clifden ist wie ausgestorben! Unsere Vermutung, dass um diese Zeit - durch die vielen über Weihnachten nach Hause kommenden Auslands-Iren, ¨Hochsaison¨ sei, erweist sich ebenfalls als Trugschluß. Die kleinen Läden bleiben geschlossen, die Restaurants sind gut besucht - und die Supermärkte  halten Preisbrecher bereit, wie 1 Pfund Karotten für 00,06 € oder Kartoffeln für 00,08 €.  Und selbst hier tobt, wie Astrid uns später erzählt, noch der Preiskampf zwischen LIDL und Aldi.  Aber das Einkaufen scheint größtenteils erledigt zu sein. Man huscht durch die Regale und packt das Nötigste, das in die Arme paßt und eilt zur Kasse..

Meine Fenster, die ich so einigermaßen sauber bekommen hatte, sind durch den Sturm der vergangenen Nacht wieder völlig dreckig!  Dieser Sturm hatte es wirklich in sich und zwang uns gegen Morgen die Zimmer zu welchseln, da er direkt auf die Seite einpeıtschte, auf der unser Schlafzimmer liegt!  Es war beängstigend und er hatte seine Kraft und Wucht noch einmal gesteigert!  So war der vorübergehende Stromausfall auch nicht wirklich erstaunlich.

Astrid berichtete, dass  bei  Oughterad Bäume umgestürzt waren und dass über Schäden - vor allem auch an der Ostküste berichtet wurde. Ein Orkan hatte über der gesamten Insel gewütet und an den Küsten bis zu 10 m hohe Wellen aufgetürmt..
Während wir am Torffeuer saßen, erzählten und uns über die Begeisterung, die der Rundgang durch das Haus bei Astrid auslöste, freuten, hatte sich die Elektrizität praktisch verabschiedet. Zunächst fiel unsere zusätzliche Pumpe aus und dann die Heizung!  Oh my God!  Selbst unser Klempner, der tatsächlich kam - brachte keine gute Nachricht.  Die starken Stromschwankungen, meinte er, könnten das Gerät kaputt gemacht haben und er riet uns, alle anderen, am Strom hängenen, empfindlichen Geräte, wie Heizung, Kühlschrank und Waschmaschine, ebenfalls auszustellen.  Das Licht, wenn überhaupt noch da, funzelte nur auf halber Stärke.. Und wir ahnten, was kommen würde: Jemand von der ESB, die für die Leitungen verantwortlich sind, kam etwas später und  unterbrach den Strom für unser und einige Nachbarhäuser (bis auf Weiteres)...   Direkt in unserer Nähe war ein Kabel unterbrochen.... So ging um 19 Uhr hier das Licht aus und ein Kerzenmeer und der Kamin übernehmen die Beleuchtung.. 

Hans-Jürgen stand am Gasherd mit Taschenlampe und Kopflampe!  Was für ein  Bild... Aber wir versuchten, es leicht zu nehmen und uns die Freude über das Zusammentreffen nicht nehmen zu lassen..
In die Betten legten wir, um sie vorzuwärmen,  leere Wasserkanister mit heißem Wasser.
Uns wurde an diesem Abend und in dieser Nacht sehr bewußt, wie schnell das Haus auskühlt und wie wichtig deshalb die bessesre Isolierung ist - sie hat nun Vorrang vor allen anderen -noch durchzuführenden - Arbeiten bekommen!!!

Um es vorwegzunehmen:  wir haben es gut überstanden!  Es war weitaus weniger schlimm, als befürchtet und zum Frühstück brannte das Torffeuer und gegen 10 Uhr ging das Licht wieder an.  "It could have been worse" - stellten wir fest:
Die ¨Feuertaufe¨ für unsere Irlandtauglichkeit war bestanden!


Der nächste Morgen erwartete uns mit rosa Wolken, angestrahlt von der hinter den Bergen aufgehenden Sonne... Und rosa das Meer in der  Bucht vor uns!  Was für ein Geschenk - und bei Torffeuer und ausgedehntem Frühstück ist alles schnell vergessen!  Astrid ist total begeistert und sie,  der wir ein Urteil darüber zutrauen, versichert uns, dass dieses Haus eine gute, gesunde und heilende Aura besitzt.  Sie habe selten so ruhig und so tief und erholsam in einem neuen Haus geschlafen.  Das hören wir wirklich gerne - denn ein wenig glauben auch wir daran, dass die Seelen der Verstorbenen in den Häusern weiterhin ein- und ausgehen! 




Auf zum Strand!  Wie haben wir das vermisst und nun hat sich der fast 5 stündige Trip für Astrid auf alle Fälle gelohnt! Zunächst inspizieren wir unseren Calla beach, der an diesem Morgen noch vom Wasser überschwemmt ist..  Weiter nach Murvey, wo wir nun den nächsten Besucher mit dem wirklich völlig skurilen, an eine Mond- oder afrikanische Wüstenlandschaft erinnernde Küstenlandschaft haben. Einmalig und beeindruckend. Von hier überblicken wir den Atlantik und sehen die gigantischen, sich an Felsen brechenden Wellenberge! 




Wir gehen ein Stück entlang der hohen Küste, suchen immer wieder nach Steinen und stoßen auf eine Stelle hinter einem Felsen wo Hunderte von ¨Teller¨muscheln übereinandergeschoben einen Muschelberg bilden... Und mit vollen Händen geht es auf den Rückweg. Was werden wir mit all diesen Schnecken, Muscheln, Steinen anfangen?  Wir werden uns inspirieren lassen und ganz sicher etwas finden!

 



 Kurz bevor wir das Auto erreichen, überrascht und doch noch ein Schauer, der sich aus dunklen Wolken, die hinter unserem Rücken lagen, ergiesst...
Das Café in Roundstone ist - leider - ungeheizt und so trinken wir den Cappuchino und essen unseren Scone bei ungemütlichen Innentemeraturen.. 

Gut, dass unser Haus wieder warm ist.. Dennoch schlüpfe ich in mein Bett und wärme mich an der Heizdecke auf... Ich lese ein sehr interessantes Buch, das den Konflikt von Nordirland beleuchtet in einer wunderbar erzählten Liebesgeschichte, die in Deutschland spielt, aber auch dort stoßen die beiden Protagonisten immer wieder an ihre ¨nordirischen Grenzen¨.. Sehr berührend und für mich immer wieder erhellend, diesen Konflikt in unterschiedlichen Formen zu verstehen versuchen . (Killen Mc Neill: Am Schattenufer)

 "Es ist eine wahnsinnige Freiheit, wenn man lieben kann, wen man will und wenn da keine Steine auf dem Weg liegen. Das ist vielen Menschen nicht bewusst, aber das ist auf der Welt noch an sehr vielen Orten so."
          Killen McNeill

 Zum Abendessen gibt es Lachs und dann sitzen wir wieder am Torffeuer und erzählen. Es ist interessant, zu hören, wie sich das Leben in Camphill in den letzten  Jahren verändert hat. Aus dem - manch mal fast an eine Sekte erinnernden - Freiraum ist ein recht bürokratisches, vom irischen Staat
 reguliertes Unternehmen geworden. Die meisten Mitarbeiter sind nun angestellt und noch die ¨Fossile¨, wie Astrid, leben in der bisher gewohnten Weise - ohne festes Einkommen, aber von Camphill ¨versorgt¨.  Wir bewundern wieder Astrids Engagement an diesem Ort mit diesen Menschen - den "people with special needs" - sehr. Vielleicht ist der Veränderng am meisten dadurch sichtbar, dass diese Menschen nun auch hier "disabled" (Behinderte) genannt werden! 
 Der anthroposophische Überbau ist geblieben, aber viele der damals so wichtigen und vielleicht auch sinnvollen Rituale sind verschwunden und der bürokratische Aufwand, der von den Leitungen der Häuser betrieben werden muß, ist enorm und erinnert wirklich sehr an Deutschland! 
Gut, dass die Menschen aber - gerade hier in Irland - viele neue Nischen finden, ihrer Spiritualität anders Ausdruck zu verleihen. Im Supermarkt - am schwarzen Brett - hängt zum Beispiel (neben Angeboten für besonders guten, preiswerten Torf, oder Kindersitze für das Auto und vieles mehr) eine Visitenkarte:
Angel ReadingsSeek guedance from the Angels. Make contact with your Guardian Angel. Contact Blaithin


Astrid gibt REIKI und so findet nun auch das REIKI-Schild, das wir hier im Schuppen fanden, endlich einen dankbaren, gerührten Abnehmer!  Wir sind sicher, dass dies sehr im Sinne von Susan wäre. 
Ich habe Astrid ein Heft mit handschriftlichen Aufzeichnungen von Susan gegeben, in das ich bisher nicht geschaut habe.  Es sind Aufzeichnungen von Susan, in denen sie den Verlauf ihrer Krebserkrankung festhält.  2006 enden sie - und ich weiß, dass Susan ihrer Krebserkrankung erlag.
Ich weiß nicht, ob man solche Dinge ¨bewahrt¨ - aus Pietät und weil sie hier so lieblos ¨herumlagen¨, oder ob Susan es lieber wäre, wenn wir sie dem Torffeuer üb
ergäben. Ich habe ja noch Zeit, darüber nachzudenken. 

Irgendwie fühle ich mich dieser unbekannten Frau, die einmal hier lebte, verbunden!  Dinge, wie ihre bunte, wahrscheinlich selbst gesponnene  Wolle, teilweise auf Spindeln aufgewickelt, die in einem Korb hier im Wohnzimmer steht, die Knopfsammlung in zwei Gläsern, ein Glas nur mit weißen Knöpfen, ein Glas mit bunten, die im kleinen, blauen Schlafzimmer auf dem breiten Fenster stehen, sind Relikte eines Lebens, ihres Lebens und ich möchte sie  bewahren. 

Die Nacht wird ruhig und das Frühstück braucht noch kein offenes Feuer! Das Haus ist gemütlich und warm. Nach dem Frühstück liegen Hans-Jürgen und Astrid auf den Knien in ¨Mihalls¨room und schaben die Leim- und Betonreste mit Spachtel und Drahtbürste ab!  Ein riesige Hilfe für uns - und dann - nach einem Müsli und einem Kaffee - saß sie im Auto, wehmütig und traurig, diesen Ort, in den sie sich total verliebt hat, verlassen zu müssen. 

Wir haben ihr versichert, dass wir uns wirklich freuen, wenn sie - jederzeit, wenn hier frei ist - wiederkommt. Es ist auch ein ¨Familienhaus¨ - und der irische Teil der Familie hat es ja nun sehr viel näher als wir. (Gerade rief sie an und die ersten Planungen mit ihren beiden Kids sind bereits in vollem Gange!) 


Besuch löste Besuch ab, denn zum Kaffee kamen meine liebe (mail)-Freundin Kerstin und ihr Mann Barry aus Belfast. Leider hatten sie einen durch und durch trüben, verregneten Tag und umso mehr freute ich mich, dass sie diesen Weg für uns auf sich genommen hatten. Ein wirklich schöner Nachmittag - natürlich am Torffeuer - und die gesamte Konversation in Englisch! Das tut uns zwar gut, aber es strengt doch auch an... Und so lagen wir bald im Bett - jeder mit seinem Buch auf der Heizdecke!  Was für ein Luxus im ¨Calla Old School House¨ ging mir beim Einschlafen durch den Kopf!!!





Gute Nacht!

Tagebuch Dez. 2013, Teil IV "Weihnachten 2"




26.12.2013
Nun liegt Weihnachten hinter uns und - auch wenn es hier sehr viel leichter und teilweise sogar wirklich ¨wunder¨schön war, so bin ich doch sehr froh, es wieder geschafft zu haben...

Aber fahren wir am 24.12. fort.
Wir haben den Abend mit einem guten Lachs-Essen, Torffeuer und Musik gut eingestimmt und eigentlich war es nur eine große Müdigkeit und Erschöpfung, die mich den ganzen Tag wissen lies, dass dort, tief in mir, die große Wehmut und Sehnsucht wohnt, ohne dass sie sich in den Vordergrund drängte.. Sie war immer da. 
Ich las meinen Florian-Brief und Hans-Jürgen - sichtlich gerührt - seinen Weihnachtsbrief.. Wir sprachen viel über uns, unser Leben, über die große, tiefe Veränderung seit 13 Jahren, die - auch durch solch wunderbare Projekte wie dies hier, gemildert, aber nie aufgehoben ist. Immer bleibt da diese Lücke, die wir auch hier und an diesem Abend spüren. An Florians Bild brennt die Kerze und die Nachricht von Eimears Schwangerschaft beschäftigt mich doch mehr ... Ich vermisse mein Leben mit Florian und mit diesen Gedanken gehen wir - relativ früh - zu Bett.



¨Happy Christmas¨ - überall wird es uns zugeworfen - im Supermarkt an der Kasse, die Menschen sitzen mit ihren Santa-Mützen im Auto und winken:  nun ist Weihnachten in Irland - es ist ein offenbar fröhliches Fest, bzw.spürt man hier die Fröhlichkeit, die wir eher besingen, tatsächlich. Natürlich wird noch eifrig eingekauft, an der Kasse in der Schlange, die bei uns bekanntlich schweigend erduldet wird, werden hier Rezepte ausgetauscht, wird auf Sonderangebote hingewiesen und noch einmal schnell zurückgelaufen.. Es wird gelacht und alle wünschen sich -  natürlich - happy Christmas.




Wir nutzen den regenfreien Morgen, unseren Garten genauer zu inspizieren. Die meisten Anpflanzungen von September scheinen in Ordnung zu sein und an einigen Pflanzen entdecken wir bereis erste Knospen. Im Februar beginnt in Irland der Frühling! Auch, wenn der Garten wirklich wenig mit dem vergleichbar ist, was wir in Deutschland ¨Garten¨ nennen, so sind wir doch ganz zufrieden und schrauben unsere Erwartungen gartentechnisch wirklich sehr zurück. Es wird immer wild bleiben und vielleicht die Hauptarbeit darin bestehen, den Wildwuchs in Schach zu halten! 




Wir beschließen, an der Küste von Murvey das Auto mit Steinen zu füllen..Unsere Idee: den doch recht häßlichen Betonabsatz an der Seite des Hauses mit Steinen vom Strand zu belegen... Der Sturm der letzten Tage hat natürlich auch große Muscheln und drift-wood angespült und so balancieren wir über den Steinstrand auf der Suche nach ¨Schätzen¨...Unser Versuch eines Spaziergangs an den wilden Küste Murveys bleibt - im wahrsten Sinne des Wortes- im Regen stecken.. Die Wiesen sind völlig aufgeweicht.. Gummistiefel-wetter!!


Weiter geht es zum Strand von Gurteen Bay und wir staunen über die vielen dort parkenden Autos... Und,man sitzt nicht nur beim ¨car beaching¨, sondern offenbar gehört zu Weihnachten auch ein Spaziergang - egal, wie das Wetter ist.  Wir nutzen einen blauen Streifen am Himmel und machen uns auf den Weg zum Strand...aber auch hier überrascht uns ein heftiger Schauer und wir sind - leider haben wir die Regenhosen vergessen - sofort nass und beschließen die Rückfahrt anzutreten.


Kaum sind wir auf der Küstenstraße und haben den Atlantikblick, kommt die Sonne hervor und - zusammen mit dem Regen - entsteht - über dem bog - ein wunderschöner Regenbogen! Ach, das ist an diesem Tag ein so großes Geschenk, dass ich ganz gerührt im Regen stehe und meine Liebe über diesen Bogen zu Florian schicke, den ich dort - hinter dem Regenbogen vermute!


Zurück am Haus - bei trockenem Wetter - nimmt jeder die Tätigkeit auf, die ihm im Moment am nötigsten  erscheint:  Hans-Jürgen geht in den Garten, ich hole mir einen großen Eimer Wasser und putze die Fenster, die, nach diesen Stürmen eine Säuberung dringend benötigen.. Wir hoffen, dass wir nicht gegen irgenwelche ¨weihnachtlichen Regeln¨ verstoßen..Vielleicht fassen sich die Menschen einfach an den Kopf, wenn sie uns aus ihren Autos beim Weihnachtsausflug sehen.. Vielleicht denken sie einfach: "oh these Germans"...:)
Jedenfalls ist schon allein die Tatsache, dass wir - endlich - draußen sein können (bei geschätzten 9°) beflügelnd und der anschließende Kaffee mit dem leckeren Gewürzkuchen am Torffeuer doppelt schmackhaft!


Manchmal überkommt mich fast eine Art Angst davor, hier wieder weggehen zu müssen - und doch weiß ich, dass die Zeit abläuft...so sehr wir es zu ignorieren versuchen.  Was wird sein, wenn wir nicht mehr nach dem Haus schauen?  Auf den Fensterbänken stand - nach dem schweren Regen und Sturm - das Wasser.. Wir haben die Türen nach draußen laienhaft isoliert, weil dort Wasser eindrang.. Arbeiten, die Fechine nun alle auszuführen haben wird.... Das Haus braucht jemanden, der sich kümmert. ...Können wir das Haus überhaupt so lange leerstehen lassen?

Morgen kommt unser erster Übernachtungsbesuch: Astrid, Hans-Jürgens Schwester, bei der Florian - in Camphill - lebte. Wir freuen uns richtig, jemandem das Haus zeigen zu können.
Dann besucht uns Kerstin aus Nordirland. Sie ist eine meiner lieben (jahrelangen) mail-Freundinnen und auf einer unserer Irland-Umrundungen, haben wir bei ihr übernachtet. Auch auf sie und Barry freuen wir uns.

Und dann kommen - am 1.1.2014 Peter und Cornelia aus Dublin.  Mit ihnen werden wir hier ein schönes Essen machen und die Endabnahme (sofern dies überhaupt möglich ist), der letzten Arbeiten am Haus.  Dazu werden wir auch Fechine benötigen, von dem wir - außer einem Weihnachtsgruß - nichts mehr gehört haben :)  Er wollte - allem voran - die Türen abdichten!






Nachtrag:

"Shall comprere thee to a summers day
Thou art more lovely and more temperate...."
William Shakespeare

Dieser Satz,der so eng mit Florian verbunden ist, hängt jetzt als Wandtatoo, in unserem Schlafzimmer!
Ich erinnere, als ich in Berlin diese Idee hatte, stundenlang im Internet recherchierte, um sie umzusetzen und nur dieser Satz kam infrage. Ich bin sehr berührt, ihn nun hier - am Ort seiner Bestimmung - zu sehen





Draussen sind Sturm und Regen zurück....aber sie können uns nichts anhaben!



Sonntag, 12. Januar 2014

Tagebuch Dez. 2013, Teil III "Weihnachten 1"



"..und was auch immer deine Mühen und Träume sind
in der lärmenden Verwirrung des Lebens,
halte Frieden mit deiner eigenen Seele.
Mit all ihrem Trug, ihrer Plackerei und ihren zerronnenen Träumen - die Welt ist schön."


aus einem irischen Segen 1692

24.12.2013

Unsere Hoffnung auf Wetterbesserung hat sich -erst einmal- zerschlagen. Denn noch immer brausen und toben die Stürme um dasHaus und es bewahrheitet sich wieder einmal:  Irland ist das Land der Augenblicke, der Momente!  Immer wieder reißt das Grau auf und gibt ein Stück Blau frei und einige Sonnenstrahlen, aber sie dauern nur wenige Minuten. Nutzen wir sie nicht, um schnell einmal ums Haus zu laufen, Fotos zu machen oder zu schauen, was unsere Anpflanzungen machen, ist der Moment vorbei - und Regen setzt ein und wir müssen uns gegen den Wind stemmen!

Noch ist viel zu tun im Haus und so fällt es uns tatsächlich nicht schwer, uns zunächst auf das Innere zu  fokussieren. Viel ist inzwischen geschehen und Zimmer für Zimmer entfaltet sich zunehmend in seiner individuellen, bescheidenen ¨Pracht¨...


Das Wohnzimmer ist längst fertig und begeistert uns täglich neu: es ist ein heller, freundlicher und vor allem warmer Raum, der wärmste, vielleicht der ïrischste¨ Raum im Haus, was uns sehr entgegenkommt. Auch hier korrespondiert das Innen mit dem Außen: zarte Grün- oderSandtöne sind dem mit Connemara marbel (Marmor) eingefasstenKamin entliehen¨  Hier findet nun hauptsächlich unser Leben statt und oft brennt das Torffeuer! 

Der Metalltisch, den wir aus Berlin mitgebracht haben, ist einI-Tüpfelchen und könnte tatsächlich früher im School House gestanden haben. Seine Zeitspuren machen ihn zu einem besonders originellen Stückund an ihm wird im Moment gegessen, geschrieben.  Jetzt, wo ich hier sitze, fällt mein Blick auf die Bucht vor uns, die mit Wasser gefüllt ist, das sich bald zurückziehen wird.  Bei diesem Sturm ist das Meer hell Türkis...mit großen weißen Schaumkronen.. Man kann diesem Schauspiel stundenlang folgen.. Dazu ein Himmel, der aufreißt, sich wieder verschließt, ein schneller Wolkenflug und dann stehen sie wie dicke Wattebäusche im Blau des Himmels... Für Momente!  Dann ergibt sich ein völlig neues Bild mit völlig neuen Farben.
Nie werden wir uns an diesem Schauspiel satt sehen!

Die Straße ist noch weniger befahren als im Sommer.. Manchmal wird
uns zugewinkt. Man scheint sich darüber zu freuen, dass das ¨Calla School House¨ wieder belebt ist. Bridigit sagte uns schon, dass wir ¨the Germans¨ sind, wenn man von/über uns spricht. Wir sind froh, dass Deutschland in Irland einen ausgesprochen guten Ruf geniesst. Man liebt Angela Merkel, weil sie Irland "unter den Schirm¨ genommen hat, aus dem die Insel  nun gerade wieder ausgestiegen ist und sich auf eigene Füße stellen will.
Alle versichern uns, dass es aufwärts geht. Sehr langsam und auch mühevoll und unter großen Opfern für viele... (und sicherlich oft die Falschen).. Aber man will unabhängig und selbständig sein, das ist den Iren - schon aus ihrer Geschichte - wichtig.  Wir hoffen sehr, dass es gelingt und fühlen uns ja nun auch wenig dazugehörig!

Aber ich schweife ab, ich wollte noch ein wenig vom Inneren des Hauses
berichten und den großen Fortschritten, die natürlich in erster Linie der Emsigkeit und den Bohrmaschinen von Hans-Jürgen und Fechine zu
verdanken ist! 

Im Fenster im Eingang steht ein großer, beleuchteter Stern.. Er ist auch für uns ein ¨Signalzeichen¨, wenn wir nach Einbruch der Dunkelheit das Gefühl für die Entfernungen verlieren und unsicher sind, wo unser Zu Hause ist :)  Die Nachbarhäuser sind spärlich geschmückt oder dunkel, da es holiday homes sind. Ansonsten gibt es - wie bei uns –Weihnachtsschmuckliebhaber und die,die sich dem Schmuck des Hauses verweigern. Wir liegen - mit dem Stern - dazwischen. Jedenfalls signalisiert er, dass jemand im School House wohnt!


In unserem Schlafzimmer hingen die Vorhänge bereits, als wir kamen und dort sind nun die Nachtischlampen + kleine Nachttische (Bretter) angebracht. Es ist wirklich ein großzügiger Raum entstanden durch die Zusammenlegung der beiden winzigen Zimmerchen. Die (Erd)farben der Wände harmonieren mit den Farben der Felder und der Felsen, auf die wir aus diesen Fenstern schauen.

Das kleine Schlafzimmer in der Mitte ist einfach sweet! Hier haben Blautöne und Weiß die Führung übernommen und ein weißes Himmelbett passt wunderbar dazu. Von den Schlafzimmern ist dies der wärmste Raum und auch dies macht ihn sehr anziehend. Er wird bei Gästen sicher sehr beliebt werden!

Das Schlafzimmer, das dem Eingang gegenüberliegt, ¨Mihalls Room¨
(das Zimmer, das wir meinem Bruder Michael) zuordnen, hat den alten roten Steinboden des School Houses behalten. Das macht den Raum im Moment etwas kühler, aber mit den schönen Läufern, die wir mitgebracht haben, wird auch dieser Raum, der die Farben des Meeres bekommen hat, täglich gemütlicher. Bisher haben wir dort die Einkäufe gelagert, aber nun leert er sich und bekommt seinen Charakter. Ein schönes, gemütliches, kleines Zimmer!




 Zwischen den Schlafzimmern liegt das Badezimmer, mit dem atemberaubenden Blick auf den bog.Leider sind in diesen Regen- und Sturmtagen die Fenster meist beschlagen oder über dem bog hängen die Wolken dicht und geben keinen weiten Blick frei.   
Außerdem ist das Bad - durch diese beiden verhältnismäßig großen Fenster - nicht richtig warm zu bekommen in diesen Tagen. So hält man sich nur kurz auf und dieser Raum wird sicher im Frühling und Sommer erst seine Besonderheit entfalten.

Bleiben Küche mit der schönen irischen Essecke und der ¨sun room¨, der eher den Kühlschrank erweitert. Er ist in diesen Tagen  nicht zu benutzen, da er nicht beheizbar ist! 
Umso mehr freuen wir uns, dass im Mai neue Wohnmöglichkeiten herrschen werden!


Die Küche ist inzwischen fertig eingerichtet und auch, wenn wir beim
Kochen noch immer etwas vermissen, so ist sie doch schon recht perfekt und wirklich sehr praktisch und schön.Die erste Wäsche ist gewaschen und in der Maschine getrocknet!  Ein Luxus, den wir zu Hause nicht haben!


Gestern waren wir, nachdem wir Nessa, unsere Notarin kurz besucht haben, da wir noch immer über keinerlei Dokument verfügen, das uns als Eigentümer des School Houses ausweist, in Galway. Nessa hatte uns vor dem erneut angekündigten Sturm und Unwetter gewarnt, aber wir schafften es bis 18 Uhr zurück zu sein.  
In Galway herrschte absolulutes Verkehrschoaos. - Wir hätten es uns denken können: Die Iren lieben das ¨last minite shopping¨, wie mir eine irische Freundin schrieb, der ich von unseren Absichten erzählt hatte! Unfassbar- Stau in alle Richtungen und wir waren froh, als wir vor allem den wichtigsten Kauf erledigt hatten: Heizdecken für unsere Betten. Das Zimmer,auf dem seit Tagen der Wind steht, ist einfach kalt und das Zubettgehen gestern wurde so eine wahre Freude! 
Wir beliessen es angesichts der Fülle beim Shopping Center, verzichteten auf die City, in der sicher kein einziger freier Parkplatz zu finden war und machten uns möglichst schnell auf den Rückweg.  

Ich spüre, dass ich der weihnachtlichen Stimmung entkommen möchte
und dies einer der Gründe ist, weshalb wir hier sind:  Flucht vor Weihnachten, Flucht vor den Tagen,die sich falsch anfühlen, seit Florian nicht mehr da ist. Daran hat das Vergehen der Zeit nichts ändernkönnen!  Was sollte sich auch ändern - so lange diese Zeit eine wehmütige, sehnsuchtsvolle ist.. Bei einsetzendem Regen und Beide in Gedanken fahren wir durch das Dunkel ¨nach Hause¨.  

....You'll remember me when the west wind moves
Among the fields of barley
You can tell the sun in his jealous sky
When we walked in fields of gold.....


Als wir die Lichter des Hafens von Roundstone sehen, wissen wir, es
gleich geschafft zu haben.
In diesem Moment durchzuckt ein riesiger Blitz den Himmel und löscht alles Licht in Roundstone aus!  Ein surrealer Augenblick, den wir da erleben. Ob es ein Blitz oder eine Kurzschluß in einer Oberleitung war, wir wissen es nicht, müssen aber befürchten, dass auch wir nun ohne Strom sein werden und vor allem der Genuß der neuen Heizdecken ausbleibt!  

Wir haben Glück:  Calla hat Strom und das Haus ist warm und anheimelnd und wunderbar, der Hektik entkommen zu sein.
Das angekündigte Wetter zieht schnell auf und der Sturm wird zum Orkan und die Kerzen auf der Fensterbank zeigen uns mal wieder, dass die alten Fenster nicht völlig dicht  sind, und solch starker Wind eindringen kann. Das macht es schwierig, im Winter  gleichmäßige Wärme imHaus zu bekommen. Aber wir wollten Weihnachten hier sein und wir wissen, dass wir ein über 100 Jahre altes Haus gekauft haben. Also wollen wir uns nicht beschweren und die Gegebenheiten akzeptieren, wie sie sind. 
 
So lange wir auf sind, kochen, essen, Musik hören, solange dasTorffeuer brennt, macht der Regen, der gegen die Fenster schlägt, uns nicht viel aus. Anders wird es in der Nacht. Wir haben das Gefühl, als würde am Haus gerissen und gezerrt - was zwischendurch wirklich beängstigend ist..Wir haben noch nicht einmal eine Versicherung! So schlafen wir in dieser Nacht besonders unruhig und selbst die tröstliche Wärme der Heizdecke kann nicht verhindern, dass wir den Morgen
sehnsuchtsvoll erwarten!



Ja, heute ist Weihnachten und heute konnten wir - endlich - an den Strand. Der Regen verzog sich, der Sturm legte sich und der Himmel riss im Laufe des vormittags auf. Es schien sich die Möglichkeit anzukündigen, einen längeren Spaziergang wagen zu können, was auch gelang.




Wie schön, endlich wieder draußen sein zu können, auch, wenn es noch
immer windig und kühl ist. Der Küste sind die Stürme anzusehen. Berge an Seetang türmen sich auf und das alte Carragh wurde vom  Strand auf die Wiese getragen... Niemand ist bei solchem  Wetter zu Fuß unterwegs. Auf den Weiden stehen die Kühe im Windschatten der Mauern und die Felder stehen unter Wasser. Der Hafen ist leer und die Boote entdecken wir, als wir ein Stück Küste entlang gehen, in einem geschützteren Küstenteil auf der Wiese, wo sie wohl in Sicherheit gebracht wurden.


 Auf das Sammeln der kleinen bunten Schnecken verzichten wir heute, denn die Hände sind froh, im Handschuh zu stecken! Wir hoffen darauf, dass sich das Wetter weiterberuhigen wird und wir vielleicht auf die kleine Insel laufen können, wo die Schnecken ganze Strände bedecken.


Heute belassen wir es bei dem kürzeren Weg und den weiten Blicken auf den Atlantik, auf dem sich etwas weiter draußen die Wellen meterhoch türmen... Es ist wirklich ein wildes Schauspiel, dem wir da beiwohnen!
Ich entdecke am Himmel eine Herzwolke und grüße Florian und danke
ihm von ganzem Herzen, dass wir dies alles erleben dürfen! Ich weiß ihn nah.

Vorgestern kam übrigens ein Weihnachtsgruß per sms von Eimear, die uns schreibt, dass sie in der 17. Woche schwanger ist, einen Jungen erwartet, wie sie seit einigen Tagen weiß und sehr glücklich ist!
Vielleicht sollte auch dies so sein, dass mich diese Nachricht hier erreicht. SIe ist zur Zeit in Irland und schreibt, dass sie sich freuen würde, uns zu sehen, falls wir in der Nähe seien. Ich glaube, dass die direkte Konfrontation nach dieser Nachricht zu schwer wäre für mich. So lasse ich sie langsam in mich einsickern.. Manchmal vergesse ich sie auch wieder.. Ja, jede neue Nachricht von Eimear ist zugleich der Beweis, dass Florian nicht mehr lebt! Dennoch freuen wir uns für Eimaer und wünschen ihr von Herzen alles Glück!

Als wir - durchgefroren,mit roten Wangen - ins Haus kommen, stellen wir fest, dass wir einen Stromausfall haben!  Oh nein, alles, aber nicht das! In mir steigt wirklich- zum ersten Mal -eine leichte Panik auf: Nicht das und auch nicht heute! Die Heizkörper sind kalt, das Haus kühlt sofort ab. Das Torffeuer braucht ein wenig, bis es Wärme abgibt und der Cappuchino, auf den wir uns gefreut haben, bleibt aus! Die Telefonnummer, die man bei Stromausfall anrufen kann, ist zur Zeit ¨not available¨ - wer hätte das gedacht! 
Also auf nach Clifden und herausfinden, was dieses Malheur verursacht hat.
Ein letzter Blick in den Sicherungskasten und noch einmal alles
kontrollierend, ergibt, dass der Strom bereits wieder zurück ...nur die Sicherung ausgestellt ist!... Dennoch beschließen wir, das Haus erst einmal warm werden zu lassen und den Capucchino in Clifden zu trinken. Wir brauchen ohnehin Torf, da wir nicht wissen, ob morgen die Geschäfte geöffnet sind. Morgen ist immerhin Weihnachten auch in Irland!

Das Checken der sms und whatsapps ergibt,  dass viele liebe Menschen an mich/uns denken und das ist ein schönes Gefühl. Für viele von ihnen ist  dies ein schwerer,ein trauriger Tag, das weiß ich und doch ist es gut, dass wir auch über den Atlantik hinweg verbunden bleiben! 
Wir freuen uns auch über 4 eingegangene Anfragen für das School House im Jahr 2014! Das beginnt ja rasant...

Der  Briefträger war zwischenzeitlich schon 2 X da und hat uns Post gebracht.
Auch er scheint sich zu freuen, dass wieder Leben im School House ist. Wir haben ihm versprochen, einen Briefkasten anzubringen!

Nun ist es 18.50. Das Torffeuer spendet eine wohlige Wärme, das Haus ist wieder warm und viele Kerzen verbreiten ein mildes, schönes Licht.
Mal sehen, wie der Abend weitergehen wird. Ich habe den jährlichen Weihnachtsbrief, den ich vor einiger Zeit schon an Florian geschrieben habe, mitgenommen und ich werde ihn Hans-Jurgen -wie immer - vorlesen. Wir werden Florian ganz besonders in unsere Mitte nehmen und uns den Abend geschehen lassen!
 Draußen zieht der Sturm wieder auf - also doch noch kein  Wetterwechsel. Aber auch das ist ja inzwischen eher Gewohnheit und vielleicht wird uns dies Geräusch fast fehlen, wenn es denn noch während wir hier sind, ausbleibt!