Mittwoch, 3. Oktober 2018

September Days 2018 / 3


Strände
Orte
Menschen
weiten meine Flügel
mit ihnen teilen
was in mir
singt 
tanzt sehnt
bestimmt die Richtung
meiner Wege 
meines Flugs
und doch
bleiben kann ich nicht
weil nichts bleibt
was gesichert scheint
das Leben
Winde
Menschen
lernen mich
loszulassen
weiterzugehen

NN


Geburtstag in Irland....  Nirgendwo sonst wäre ich so gelassen an diesem Tag...




 

18.09.2018

Die Zeit fliegt, die letzten Tagen sind angebrochen und - obwohl uns gerade eine sonnige Phase - überrascht und erfreut, setze ich mich doch in die Küche und schreibe.

Hans Spaten sticht vor meinem Fenster Löcher in den Rasen, in die die Narzissenzwiebeln gelegt und wieder bedeckt werden.  Er ist unermüdlich!
Der Garten ist inzwischen vom vielen Regen wassergetränkt und die Wiese entwickelt sich zu einem Rasen :)  Das Mähen tut ihr gut! Es blühen nur noch einige Lavendel, die Kletterrose an der Wand zum ¨Swimmingpool¨ und die Anemonen.  Die Minze ist verblüht und wir können ihre Blätter kaum noch für unsere Wasserflaschen nutzen, sie sind nicht mehr richtig frisch.


Aproppos Wasser:  Dank eines Hinweises von Helene, haben wir nun eine Quelle, an der wir unser Wasser holen können und gestern haben wir die ersten gesammelten Wassercontainer gefüllt!
Ein wunderschönes Gefühl und das Wasser ist klar und schmeckt unvergleichlich rein!



Das ¨Clifden Arts Festival¨ hat begonnen und Clifden füllt sich wieder mit Menschen. Diesmal sind kaum Touristen unter ihnen. Das Festival zieht aber Dubliner und Interessierte aus anderen Regionen Irlands an. 



 Natürlich waren wir beim ¨Grand Opening¨ - nur war es - vergleichen mit dem letzten Jahr - sehr glanzlos;  nicht gut besucht und zuviele Reden und zu wenig Musik. Wieder trafen wir auf Seamus und seine Schwester, die den bekannten Song ¨The parting glass¨  beiendruckend im Duett sangen.. Ihr Talent ist einzigartig und wir werden vor allem Seamus Karriere weiter verfolgen.
Sein Tanz versetzte den Saal wieder in Verzückung und Jubel!


Ich werde diese Tage in Connemara  als ¨Tage der Begegnungen¨ in Erinnerung behalten!  Und: es sind nicht die Kontakte der letzten Aufenthalte - es sind neue und das ist sehr schön.
Auch Iris und Michael sind wir begegnet, aber diesmal ohne dieses Aufeinandertreffen zu vertiefen.
Der ¨Clifden Writers Club¨ hatte im Rahmen des Arts Festival eine Lesung und es war selbstverständlich, dass wir ihr folgen würden, wenn wir auch schon im Vorfeld ahnten, dass wir nicht allzu viel verstehen werden von dieser literarischen Sprache, die sich doch sehr von unserem ¨broken Enlish¨  unterscheidet :)
Die Veranstaltung fand im ¨Foyles Hotel¨ statt, das uns anagenehm überraschte. Ich weiß nicht, woher die Vorstellung rührte, dass es eher altmodisch und ein wenig staubig sein würde...
Nein! Eine hübsche einladende Lobby und einer der Kaminräume war bestuhlt - viel zu wenige, wie sich schnell rausstellte. 
Dann lauschten wir - einmal verstehend  - einmal nicht und eher die Gesichter der anwesenden Lauschenden betrachtend.  Ein eher älteres Publikum, manchmal wohlwollend, manchmal frenetisch klatschend.  Iris trug einen  Text über Porzellan, Geschirr, über Phänomene wie den ¨Polterabend¨ in Deutschland - und letztlich eine Ode an die Töpferkunst und die Individualität - vor und unterhielt uns und das Publikum wirklich gut damit!
Ergriffen hat mich ein Text einer irischen Literatin, die in Cleggan lebt und arbeitet. Sie gibt workshops und schreibt.  Der Titel des kleines Essays lautet ¨Spirit from the Sea¨, aus dem ich etwas zitieren möchte.  Iris stellte den Kontakt nach der Lesung her und ich bat sie, mir den Text zu schicken.

Spirit from the Sea  by Benig Mauger

Born by the sea, Magdalena’s first cry broke through the waves
of her mothers pain
and danced on the tide
that came and went on the beach below
Sucking the earth to a watery home
And lashing at the walls of her fathers house
Perilously built on the edge of the world
As the winds carried the news to the outside and ends of the land
Touching down on the rugged edges
To the still even plains of green
Storm birds, alerted by their elders and the last sea eagles
Of Skye answered the call and gathered at their long abandoned nesting place
A hallowed ground housing a shaggy assembly
The great and the Good, the old and the young
They came in their groups, landing on the cliff site
Folding their wings against their bodies
They stood in reverence
Awaiting the call
.....

Mehr von Benig Mauger: 
Wir fühlten uns erschöpft, angestrengt und brauchten etwas Erholung, denn am Abend wartete ein Highlight auf uns: Das Konzert von Lisa Hannigan!  Immer wieder hatten wir versucht, sie hier oder auch in Berlin zu sehen - nun sollte es gelingen und es wurde ein durch und durch gelungener Abend!  Schön, Claudia dort zu treffen, die auf Umwegen noch eine Karte für sich ergattert hatte! Wir sahen sie auch zum ersten Mal, seit wir hier sind - und nahmen eine Einladung für Freitag abend bei ihr zu Hause - mit Paul - entgegen!  

Und dann stand sie auf der Bühne, alleine ohne Band, angekündigt als das größte Highlight, das die kleine Stadt Clifden bisher auf dieser Bühne präsentieren könne:  und so schön wie die Interpretin, sei auch die Musik, die sie schreibt, spielt und singt!  Sie beginnt und singt - ohne Instrument - ihre Stimme so variabel, so eindringlich von zart und leise bis kraftvoll und rauh!  Unglaublich und das Publikum gutiert es mit großem Applaus
Sie ist durch und durch Musikerin, ihre Songs nicht unbedingt populär und zum mitsummen... Eigenwillig, interessante Texte - und immer wieder die gesamte Breite ihres Gesangsvolumens ausbreitend.  Eine Stunde lang wundervolle, anspruchsvolle und begeisternde Unterhaltung.
Da kommt uns der kurze Besuch im Pub mit plätscherndem Pop beinahe banal vor und auf mehr an Lifemusik haben wir keine Lust mehr.



Regen auf dem Heimweg und die Ankündigung, dass am darauf folgenden Tag das Wetter weit besser werden solle, als zunächst vorhergesagt, erfüllt uns mit Freude,  denn  wir erwarteten E.
Zum ersten Mal wollte sie uns mit ihrer Familie besuchen - und ich spürte sehr, was diese bevorstehende Begegnung in mir an Erinnerungen freizusetzen begann.
Erst mit deren Eintreffen, löste sich der Knoten in meiner Brust und der Nachmittag wurde zu einem guten, manchmal nahen, immer aber harmonischen Treffen.  Zauberhaft die Kinder, die so gut wie alle Aufmerksamkeit auf sich zogen und uns ohnehin nicht viel Raum für tiefere Gespräche liessen.  Es war gut, wie es war -  und wir waren abends erneut sehr erschöpft,  aber dankbar, dass dieses ¨kleine Wunder¨ nach so langer Zeit möglich zu sein scheint:  E. Zurück in unserem Leben zu haben. 

Das Wetter hätte uns früher vielleicht zu schaffen gemacht.  Es ist Herbst und zwar ein kühler, sehr windiger und regnerischer Herbst. Zum Glück gibt es die kostbaren Lücken, die wir möglichst schnell mit Spaziergängen füllen.  Für größere Ausflüge oder Erkundungen ist kaum genügend Zeit.  Aber - wie ich schon schrieb - es sind eher Tage der Begegnung und da spielt das Wetter keine große Rolle!




Die ¨ Arts Week¨ scheint alle hier zu vereinnahmen und zu schlucken und so war es gar nicht so einfach einen Termin zu finden und Helene und Moritz zu uns einlzuaden.  Aber gestern kamen sie - aus dem Regen - und wieder hatten wir einen besonders schönen und interessanten Abend mit ihnen.  Es ist diese Mischung aus Ernsthaftigkeit - vor allem in Bezug auf ihr ¨work in progress¨, zu dem sie uns noch einmal baten, einige Fragen, die sich in der weiteren Arbeit an dem Stück für sie aufgetan hatten, zu beantworten.  Spannend und offenbar sind sie mit unseren Blicken, Gedanken und Gefühlen im Einklang und fühlen sich gut damit und verstanden!
Musik, Literatur, Connemara - immer wieder Fragen, die sich für uns ¨ Continentals¨ hier auftun, es ist schön, darüber sprechen und sich austauschen zu können.  Vieles sehen wir sehr ähnlich, empfinden wir befremdlich oder bereichernd.  Alles gehört letztlich zusammen.
Nun werden uns einige Monate trennen von einem neuen Treffen, das aber ganz sicher stattfinden wird, denn es spinnt sich zwischen uns ein feiner Faden und  wir vertrauen ihm.

Heute und morgen haben wir Sturm im Westen und der Wind reisst an den lockeren Oberlichtern in den Fenstern, wenn sie nicht fest geschlossen sind.  Das längere Gras  zum Bog hin liegt flach und die Rosen werden durchgeschüttelt. Sie haben wirklich viel auszuhalten in diesem Jahr - und wer weiß, wie der Winter wird!
Im ¨Sunroom¨ läßt es sich fast jeden Tag aushalten,  an wenigen ist er einfach nur kalt und ungemütlich. Immer aber gibt er den Blick frei auf das Panorama, das unsere Besucher in Verzückung geraten läßt!
Auch unser Berliner Besuch, der tatsächlich (wie befürchtet) ziemliches Pech mit dem Wetter hier hatte, konnte sich diesen wundervollen Blicken nicht entziehen und wir waren überglücklich, dass man uns so großzügig das Wetter ¨abnahm¨ und dieses Thema tatsächlich keines war, das zwischen uns stand.  Es stand gar nichts zwischen uns, denn Irland hatte D+P auf ihrer kleinen Rundreise von Astrid zu uns bereits begeistert!! 
Wir nutzten die Zeit so gut es ging und für einige Spaziergänge reichte auch der Sonnenschein und bei Regen war es hier im Haus gemütlich und die Gespräche abends am Torffeuer drehten sich um das Hier und Jetzt!
Wenn sich das Haus nach der Abreise von Gästen für ein Weilchen leer anfühlt, dann war der Besuch angenehm und bereichernd. Und so fühlte es sich an!


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