Freitag, 20. Juni 2014

Diary Juni 2014 - Teil 5

Steig ein in das Boot, und lass dich treiben von den Wellen des Lebens. Halte nicht zu fest an Dingen, die dir lieb und wertvoll sind. Lass die Leinen los, um zu erkennen, wie weit das Tau deines Ankers reicht. Auch wenn dir das Leben manchmal salzig vor Tränen erscheint , und du darin drohst unterzugehen- es wird dich tragen wie die Wellen des Meeres,auf dem Weg zu einer neuen Insel.
(Teresa P.)



5.6.2014

Wieder sind einige Tage vergangen, die so angefüllt waren mit Aktivitäten, dass ich abends zu müde war, um zu schreiben!
Ich fange mit heute an, denn heute war ein besonderer Tag - in zweierlei Hinsicht.
Wir hatten - gleich am Morgen - ein sehr schockierendes Erlebis, als wir entdeckten, dass ein Flügel unseres gestern am späten Nachmittag geliefertes neues Tors in der Nacht gestohlen wurde!  Es hat uns wirklich erst einmal völlig entsetzt! So etwas kann hier doch gar nicht passieren!!!  Wir waren - vielleicht - ein wenig leichtsinnig, die neuen Flügel angelehnt an die alten in der Einfahrt stehen zu lassen.. Aber es drückte auch unser Gefühl von absoluter Sicherheit aus. 

Beim Frühstück beschlossen wir, die ¨Garda¨ (Polizei) vom Diebstahl zu benachrichtigen und sie kamen tatsächlich dann auch nach ca. 1 Std.  und waren fast so entsetzt wie wir!  ¨This is so unusual - this normally doesn't happen here¨!  Sie konnten es sich so wenig erklären wie wir und so rätselten wir - mit viel Humor und Lachen -  herum, wer eine solche Absurdität begeht - einen Flügel eines Tors zu stehlen... ¨Perhaps it was your neighbour and he painted it green tonight¨, meint einer und zeigt auf das grüne Tor des Nachbargrundstücks, wo das Haus zum Verkauf steht.. Wunderbar, dass sie so locker und humorvoll sind. Das hilft uns sehr. Cornelia, der ich eine sms geschickt habe, kommt ebenfalls angefahren - sie kann es nicht fassen und möchte uns Trost spenden! Und dann kommt auch noch Matthew, der das Tor einhängen wollte :)  Ja und da stehen wir und rätseln und es schält sich die Vermutung heraus, dass dies ein ¨bestellter Diebstahl¨ sein könnte, denn wer konnte in dieser kurzen Zeit, denn das Tor überhaupt richtig zur Kenntnis nehmen... Der Auslieferer des Supply Shops in Clifden könnte jemandem einen Hinweis gegeben haben.  Das Ärgerlichste an allem ist, dass ausgerechnet das Tor verschwand, das wir ersetzen MÜSSEN.. Das andere wären wir gerne los geworden!
Matthew fühlt sich schuldig, am Abend davor nicht mehr gekommen zu sein und man sieht ihm sein Bedauern wirklich an!  Dafür schafft er es - zusammen mit Hans-Jürgen - aus zwei ¨linken¨ Flügeln ein gangbares Tor -mit einigen Tricks und Schellen und Konstruktionen - zu schaffen! Super, denn es zeigt uns, den richtigen Handyman gewählt zu haben! 
Mit Cornelia haben wir uns für nachmittags zu einer Bogwanderung verabredet - und sie fährt wieder los, um - wie wir - die Wäsche rauszuhängen :)  Es ist wunderbares, sommerliches Wetter!
Wir fassen es kaum.  Jeden Morgen werden wir von Sonnenschein begrüßt und frühstücken entweder im Sunroom, wenn es windig ist - oder, wie heute wieder draußen auf der kleinen Terrasse!  Der Garten sieht toll aus!  Hans-Jürgen hat die Sträucher, die wir beim Gärtner in Claddaghduff gekauft haben, vor den Tank gepflanzt und überhaupt übertrifft er sich in seinen gärtnerischen Arbeiten!  Man sieht es wirklich an allen Ecken und Enden und sogar der ¨Swimmingpool¨ nimmt mehr Gestalt an.  Ich habe einen kleinen Beitrag (mein Rücken schmerzt noch immer ziemlich quälend) geleistet und die alten Bänke, die wir im Schuppen gefunden und ¨gesichert¨ hatten, neu gestrichen und sie sind richtig schön geworden.. Auch der kleine Tisch, der hier im Wohnzimmer stand, als wir das Haus zum ersten Mal betraten, steht nun wieder hier:  in einem grau-blauen, warmen Ton gestrichen ist er ein Schmuckstück. ¨Oh, this looks georgeous, where did you get this?¨ fragte Cornelia heute, als sie uns abholte.... Und ich war ein bißchen stolz auf meine Arbeit!  Viel ist es nicht, was ich beisteuern kann, jedenfalls nicht gärtnerisch.  





Vieles blüht einfach auch von alleine - wie die Margeriten, die überall in kleinen Büscheln im Rasen stehen oder der Jelängerjelieber, der sich an der Hauswand vom Schuppen auf den Weg macht, das neu angebrachte Klettergerüst zu erklimmen... Die Montbretien haben noch nicht ihre Zeit und die Hortensien, tun sich  schwer in dieser rauen Landschaft,  haben aber auch Ansätze von Blüten... Die gepflanzten Gräser, Kräuter und Rosen müssen noch immer gegossen werden, da es nicht regnet! 



Ja, und das war der zweite Teil des Tages:  eine lange Wanderung mit Cornelia und ihrem Hund ¨Domino¨ durch den Bog! ¨Aillenacally¨  heißt dieses Stückchen Land  und es besticht mit seiner Weite und nichts, was den Blick aufhält und dann lernen wir,  was das Wort ¨stepping stones¨ wirklich  - und vielleicht auch ursprünglich - bedeutet: Der Weg, den wir nun im Gänsemarsch (uns allen voraus Domino, der hier nicht mehr an der Leine gehen muß, gehen besteht aus nicht mehr als Felssteinen, in allen Formen und Arten, die im bog liegen - und meist so, dass man sie mit dem nächsten Schritt erreicht... Unglaublich! Das haben wir so noch nie gesehen und es wird ein recht langer Weg, den wir so -mal ganz bequem, mal hopsend und manchmal auch ohne Stein durch den bog (mit natürlich bald nassen Füßen) gehen.  Um uns herum blüht das weiße Wollgras Farne, Schilf,Binsen, Moose mit schönen Namen wie ¨Sundew¨, verschiedene Heidekräuter und das Knabenkraut beginnt zu blühen. Eine so eigene Vegetation und das Licht, das die Konturen noch einmal schärft!  Es wird auch dort noch Torf gestochen und Domino  legt uns Brocken von Torf vor die Füße,  die wir zurück ins Moor werfen...  Er ist völlig ausgelassen! Cornelia drückt mir ein Stückchen trockenes Moos in die Hand: ¨This is one of the colours of your house¨ und ich halte es hier an die Wand im Wohnraum und es stimmt!
Die Fuchsien beginnen zu blühen und bald werden sie die Straßen und Wege mit ihrem leuchtenden Rot säumen. 



Der Weg endet schließlich in einer Bucht und man glaubt es nicht: dort steht ein kleines,  gepflegt aussehendes Cottage mit einem verwunschenen Garten aus Farnen und den ersten Apfelbäumen, die wir hier sehen! Einfach wundervoll diese kleine Wanderung und die Boglandschaft ist wirklich einmalig und aufregend.  Wie aufregend merken wir beim Rückweg, wo wir die Steine plötzlich verlieren und uns direkt durch das Moor zum Ausgangsweg zurückfinden müssen. Domonino versagt leider als ¨Spurensucher¨ und mit nassen freuen wir uns, wieder festen Boden zu betreten -  empfangen von einem Connemara Pony und seinem Fohlen. Beide eigen keinerlei Scheu, bleiben stehen und betrachten uns ebenso neugierig wie wir sie. Noch nicht einmal Domino schüchtert sie ein. Das Fohlen ist noch sehr jung. 


Conelia erzählt mir unterwegs von ihren beiden Söhnen: Jonathan und Marc, die gerade in New York mit ihrer kleinen Firma: ¨Makers & Brothers¨bei einer Ausstellung sind: irisches Design!
Peter ist heute in Dublin, wird aber heute zurückerwartet.
Gerade kommt eine sms von Cornelia: ¨ Yesterday was just a memory. We were so lucky to have such a day for the best walk ever. I hope your back is not worse. See you later¨... Ein schönes feed-back zu einem besonderen Tag!


¨Das Schweigen der Landschaft verbirgt eine gewaltige Gegenwart. Der Ort ist ist nicht lediglich ein Wo. Ein Ort ist ein zutiefst individuelles Da-Sein. Sein Äußeres aus Gras und Stein wird vom Regen, Wind und Licht liebkost. Mit vollendeter Achtsamkeit feiert die Landschaft die Liturgie der Jahreszeiten, gibt sich rückhaltlos der Leidenschaft der Göttin hin. Die Gestalt einer Landschaft ist eine uralte schweigende Form von Bewußtsein. Berge sind unermessliche stumme Betrachtungen. Flüsse und Bäche leihen dem Land ihre Stimme,sind die Tränen der Wonne und Trauer der Erde.

Die Erde ist voller Seele¨....
John O'Donohue
Landschaft der Seele




Ja, Peter und Cornelia - unser gemeinsames Essen hier im School House war ausgesprochen unterhaltsam und fröhlich und wir sind sehr erleichtert, Peter wieder bei guter Gesundheit zu   erleben. Wir waren doch sehr in Sorge um ihn. Cornelia meinte heute, er habe ein solch positives Wesen, dass er selbst niemals daran zweifelte, wieder gesund zu werden!  Er ist 83 und er arbeitet täglich weiter in seinem Büro in Dublin und heute nahm er den Bus nach Galway, um mit dem Zug weiter zu fahren.  Einfach bewundernswert.
Peter kommt aus Carna, nicht weit von hier und er erzählte ein wenig von den Zeiten, in denen er groß wurde. Carna haben wir beschlossen,werden wir uns auch genauer ansehen. Der Name heißt im Gälischen so viel wie ¨Steinhaufen¨ und so sieht es dort voraussichtlich ähnlich aus wie hier! Zwischen den Felsen der Stechginster, der nun zu blühen beginnt. Vorgelagert liegt, wie auch hier bei Ebbe erreichbar, eine kleine Insel - Feenish - die jedoch früher bewohnt war.

 Morgen abend sind wir jedenfalls zum Gegenbesuch bei ihnen eingeladen!Ihr Haus, das sie seit über 30 Jahre haben, liegt direkt über der Küste mit endlos weitem Blick.


Apropos Blick: Während ich hier am alten Schulhaustisch (so nennen wir ihn jedenfalls) sitze, ist draußen die Sonne hinter dem Horizont verschwunden, nicht, ohne uns ihr Licht in allen nur möglichen Rot- und Gelbtönen zu hinterlassen. Ich denke jeden Abend, dass dies der bisher schönste Sonnenuntergang sei, aber dann übertrifft sich die Sonne - und so ist einfach jeder der Schönste! 

Wir sind im Gästebuch - zum Glück - darauf aufmerksam gemacht worden, dass auf den Brandungsfelsen - nicht weit draußen vor der Küste -  sich abends Seerobben tummeln und so haben wir gestern bei unserem Abendspaziergang zum ersten Mal darauf geachtet und sie tatsächlich entdeckt: Ach, was für eine Freude - und heute entdeckten wir, dass wir sie auch hier aus dem Fenster mit dem Fernglas beobachten können!
Manchmal fragen wir uns, was dieser magische Ort noch alles für uns bereithalten mag!  Er ist einfach unerschöpflich und ¨wunder¨voll!  Wir haben das negative Erlebnis von heute morgen jedenfalls schon wieder fast vergessen und beschlossen, uns unsere Freude auf keinen  Fall trüben zu lassen!
Der Verkäufer im Supply Shop, dem wir von dem gestohlenen Tor erzählten, war der Meinung, dass dieses Tor, dem Dieb kein Glück bringen würde - es sei kein gutes Omen, das von ihm ausgehen werde!  Möge es einfach so sein!

Bridgit war zwischenzeitlich auch hier und wir haben mit ihr besprochen, wie nun alles weitergehen wird. Matthew wird sie entlasten und sie ist froh darüber, weil die Saison in Irland ja nun erst beginnt.  Sie scheint den Job hier nun richtig angenommen zu haben und wir sind uns sicher, dass keines ihrer sonstigen Häuser so viel an Arbeit bietet...Sie beschäftigt in der Saison bis zu 10 Frauen.  Es ist schön, sie zu sehen, wir mögen sie und irgendwie erinnert sie ja immer auch ein wenig an Eimear... ¨Schneewittchen¨ mit schwarzen Haaren und blauen Augen!



Noch immer haben wir unsere Kreise nicht weiter gezogen und wir genießen dies richtig: Cleggen haben wir einen Besuch abgestattet und uns an Mary und ¨Wild Heather¨ erinnert. Dies war der Ausgang der Entdeckung dieses Landstrichs.
Wir sehen natürlich auch an der Bog Road von Cilfden nach Roundstone nach dem ¨cottage im bog¨, das wir beinahe auch gekauft hätten und sind froh, damals nicht den Mut gehabt zu haben. Die Lage des School Houses ist einfach unvergleichbar. 

Es sieht so aus, als sei Connemara ¨ im Kommen¨ und wir können das am ausgebuchten Haus ganz gut nachvollziehen. Auffallend ist, dass wir wieder sehr viel mehr Deutsche sehen, viele Fahrrad- und Motorradfahrer und vor allem sehr viel mehr Wohnmobile. Es ist fast beängstigend, wenn man an die Straßen hier denkt. Die Hinweisschilder auf den ¨Wild Atlantic Way¨ scheinen zu fruchten.  Uns stört es nicht, denn die Nächte sind völlig ruhig und wir hören den Kuckuck und - sehr leise - abends das ¨Singen¨ der Robben!
Die Krähen, die in unserem Schornstein und unter den alten Dachbalken (die wir nun ersetzen lassen) nisten, sind noch nicht ausgeflogen und so werden wir morgens von ihren hungrigen Stimmen begleitet...
Dies wird uns auch täglich dadurch bewusst, dass unser Haus von vorbeifahrenden oder laufenden oder radfahrenden Touristen fotografiert wird. Beim ersten Mal dachte ich, es sei wohl jemand, der vielleicht einmal hier zur Schule ging.. Aber nun hielten so viele Autos und jemand sprang heraus, um das Haus - und die malerische Küste -  aufzunehmen. Mit ein bisschen Stolz erfüllt es uns doch:  wenn wir daran denken, wie wir diesen Ort vor 2 Jahren vorgefunden haben..



Donnerstag, 19. Juni 2014

Diary Juni 2014 - Teil 4



1.6.2014



Ja, da hat sich der Sommer nun doch verabschiedet. Wir wussten es ja eigentlich...aber nun ist es doch schade!  Der Wind fegt wieder ums Haus - weckt Erinnerungen an Weihnachten, aber die Temperaturen sind recht mild und der Regen kommt bisher noch ¨von oben¨... Wenn er erst einmal von allen Seiten kommt, bleiben wir im Haus - vorher nicht :) Also kleine Moorwanderung in Emlaghmore, vorbei am ¨ Emlaghmore House¨ - ein ¨hidden treasure¨ - ein B+B, in einemwirklich wunderschönen Herrenhaus, ausgestattet mit edlen Möbel, großen Ahnenbildern und  sehr zauberhaften Zimmern. Wir haben es einmal besichtigt und wurden vom Hausherrn, der
auch bessere Tage hinter sich hat :)  herumgeführt. Übernachtung mit Dinner (das eigens von einem (angeblich) sehr guten Koch zubereitet wird, für ca. 100 €. 



Die Straße und auch der weiterführende Weg enden und führen in einen schmal Pfad, auf dem man durch diese beeindrucke Moorlandschaft weitergehen kann. Schafe, die beim einsetzenden Regen noch im Gras liegen, flüchten vor uns und der Weg endet schließlich in einem Gebiet, in dem Torf abgebaut wird. Große Moorseen voller Rosen, Wollgras, vielfarbige Moose - graue raue Felsen und die tiefen Narben, die dem Moor zugefügt werden. Wo gestochen ist, füllt Wasser die Gräben und die Torfstücke liegen, manchmal zu kleinen Pyramiden aufgehäuft, zum trocknen.
Diese Landschaft hat einen so besonderen Reiz und ist wirklich einmalig! 


Etwa 1/6 Irlands ist mit Torf überzogen - mit bis zu 3 m dicken Deckenmooren. Connemara wird von diesen Moorlandschaften geprägt.  Leider verhindert der einsetzende stärkere Regen, dass wir diese Erkundung ausdehnen. Wir müßten jetzt auch eigene Pfade finden und uns vielleicht den Schafen anschließen... Aber das würden wir doch besser bei gutem Wetter versuchen!

So geht es zurück ins warme Haus - und auch heute versichern wir uns, was für ¨Glückspilze¨ wir doch sind, in dieser so unglaublich abwechslungsreichen Landschaft ein eigenes Zuhause zu haben!




Peter und Cornelia sind aus Dublin hier.  Bankholiday-Wochenende und die Autoschlagen, die uns auf unserem gestrigen Weg nach Galway entgegen kamen, machten deutlich, was ¨Bankholiday-Wochenende¨ hier bedeutet.. Wie enttäuschend für die vielen Menschen, das ausgerechnet heute sich der Sommer so ganz und gar verzogen hat. So bleiben die warmen Häuser und die Pubs!
Wir werden für die beiden kochen und freuen uns auf einen - sicherlich sehr unterhaltsamen, schönen Abend. Wir sind Freunde geworden - wage ich einmal (sehr vorsichtig!) zu behaupten.
Aber natürlich gibt es auch noch immer Dinge, die wir mit ihnen besprechen müssen, nicht zuletzt, wie wir mit Fechine ¨verfahren¨, der sich - natürlich - nicht gemeldet hat, obwohl er Freitag kommen wollte.

Kurz vor Galway kamen wir an einem (sehr gepflegten) Gartencenter vorbei und entstanden die nächsten Pflanzen: Fingerhüte - eine DER irischen Pflanzen. Bei Woodies, dem Baumarkt, wo wir eine Gartenbank und diverse andere Geräte kauften, kamen Salbei, ein großer Farn und ein Lavendel hinzu. Wir müssen im Garten experimentieren und werden in zwei Monaten sehen, was sich hier wohl fült - und was nicht. Die Rosen am Haus werden heute bereits vom heftigen Wind geschüttelt!




Galway ist - leider noch immer - hauptsächlich ¨Shopping fürs Haus¨ und wir warten auf den Tag, an dem aus Shopping Sightseeing wird!  Ich hoffe immer, dass wir noch genügend Zeit für alles haben, was wir so gerne sehen und erleben wollen.  Während sich hier gestern die Wetterveränderung bereits angekündigte, war es in Galway noch sonnig und man konnte Iren und Touristen sehr leicht an der Kleidung unterscheiden:  leichte Sommerkleider, flipflops und viel Haut bei den Iren, der obligatorische (meist rote) Anorak bei den Deutschen, die offenbar nicht dazu zu bewegen sind, diese ¨zweite Haut¨ abzulegen:  Man ist schließlich in Irland - und weiß nie, wann der nächste Regen ¨ um die Ecke kommt¨ - sehr witzig, fanden wir!  Wir gehören natürlich (!) zu den Iren und genießen in zumindest leichter Bekleidung jeden Sonnenstrahl - schließlich weiß man hier tatsächlich nie, wann sich die nächste Gelegenheit zum Sonnen bietet!



Zum Lesen werden wir wohl erst jetzt kommen - sollte der Sommer nicht wiederkehren..
Natürlich lesen wir abends im Bett, aber meist sind wir so müde vom Tag, dass die Bücher doch recht schnell zugeklappt werden.
Ich lese - neben Bäuchle, der wirklich viel zum Verständnis der Insel und ihrer Menschen beiträgt,
¨ An diesem Tage lasen wir nicht weiter¨ von Will Schwalbe. Ein sehr berührendes Buch. Eine Mutter, ein Sohn und eine Welt von Büchern. Die Literatur als starke Verbindung zwischen der sterbenden Mutter und dem Sohn, der die kostbare, verbleibende Zeit so mit ihr zusammen nutzt: der kleinst mögliche Leseclub, wie sie es nennen. Er beschreibt nicht nur den langsamen Abschied der Mutter, sondern auch die Literatur, die sie zusammen lesen!  Das ist überaus inspirierend und ich werde mich dieser Leseliste sicherlich annehmen!



Hans-Jürgen habe ich zum Geburtstag ¨Connemara - im Kreis der Winde¨ von Richard Wall geschenkt und ihn zum begeisterten Leser gemacht:  dies Buch taucht tief ein in die Welt Connemaras, in die Geschichte. Minitiös schildert er die Landstriche, begegnet seinen Menschen, Individulisten allesamt, Überlebenskünstler! Kenntnisreich verfolgt er jede Spur, die in diese Landschaft eingeschrieben ist.  Ich freue mich sehr auch auf dieses Buch!



In der Presse dieser Tage ist etwas ganz besonders präsent:  das letzte(?) tief schwarze Kapitel irischer katholischer Geschichte:  das Schicksal Tausender unehelich geborender Kinder und deren Mütter. Man geht heute davon aus, dass bis zu 4000 Kinder in Heimen, die von Nonnen geleitet wurden, gestorben sind (meist wurden sie einfach nicht ernährt!) und in anonymen Gräbern (auch Massengräbern) rund um die Insel bestattet. Viele wurden in die USA für Geld ¨verkauft¨. Die meisten Heime waren in Tipperary. Der britische Journalist Sean Ross hat sich diesem finsteren Kapitel angenommen und Martin Sixsmith das Buch ¨The lost Child Of Philomena Lee¨ geschrieben, das bei uns ¨Philomena¨ - wie der daraus entstandene Film heißt.  Ich habe selten einen Film gesehen, der mich so tief und so nachhaltig erschüttert hat. Das Buch habe hier hier liegen und werde es beim nächsten Mal lesen. An Philomenas Schicksal wird die ganze Tragödie dieser Mütter und Kinder überdeutlich! Nun ist Irland - und seine Kirche - offenbar bereit, sich diesem Thema zu widmen und durch Philomena Lee haben die Toten und die noch Lebenden ein Gesicht bekommen.  

Auch das ist Irland - und wir werden unsere Augen auch vor diesen Seiten von Unmenschlichkeit und Grausamkeit der Kirche, vom Staat geduldet,  nicht verschließen!




Diary Juni 2014 - Teil 3



30.5.2014

Ich wünschte, ich könnte die Tage nun festhalten und doch verstreichen sie, wenngleich nicht so schnell wie in Berlin.  Sie sind angefüllt mit Schönheit, mit vielen unterschiedlichen Gefühlen und noch gleicht kein Tag dem anderen.


Auch heute hat uns die Sonne schon recht früh aus dem Bett geholt. Wir fassen es nicht und freuen uns wie Kinder!  Wieder Frühstück auf der kleinen Terrasse, aus deren Fugen jetzt Margeriten und Frauenmantel wächst.  Hier darf so vieles wachsen, was wir zu Hause wohl als Unkraut entfernen würden.. 
Mein Rücken macht mir leider noch immer sehr zu schaffen und gestern haben wir in Clifden die nächsten Wärmepflaster gekauft... Nun trage ich ¨Gurt¨ und in der Hitze ist er fast störend.
Der Spruch des gestrigen Tages stammt aus dem Café ¨ Upstairs Downstairs¨, wo wir Netzanschluss und den besten Cappuccino in Clifden haben. Eine Frau kommt mit ihrer Kaffeetasse durch die Tür: ¨Could I also sit inside - it is to hot in the sun¨ ... Und wir müssen herzhaft lachen. Solch ein Satz in Irland!
Von den Lieben in Deutschland hören wir von Dauerregen, 12° an der Ostsee - und wir sitzen im Sommer in Irland!  


Clifden ist ja immer auch Shopping!  Ich habe - endlich - ein paar gute, leichte Schuhe auch für unwegsames Gelände gefunden... Und noch wasserdicht. Ich suche schon so lange danach. Nun bin ich - zusammen mit der hervorragenden Jacke von ¨Jack Wolfskin¨ (wasserdicht, winddicht und atmunungsaktiv) bestens für die Insel ausgestattet.
Die dicken Stiefel, die ich noch in den ersten Tagen am Strand trug, sind längst wieder im Karton und ich hoffe, sie können dort bleiben. Man soll das gute Wetter nicht beschwören... Und wir geniessen es einfach - Tag für Tag, wissend, wie es sich hier auch anfühlen kann.
2009 waren wir in Blickweite im ¨Lakeview Cottage¨ und hatten zwei Wochen Regen. Es war unser verregnetster Irlandurlaub und das soll bitte so bleiben.
Damals beschlossen wir eine Irlandpause und hielten sie tatsächlich auch ein - aber nun soll es keine Pausen mehr geben, sondern die Zeit, die wir verbringen, möge sich nur noch verlängern.
Ich träume davon, noch mehr in den Tag leben zu können, nicht ständig an all die Aufgaben zu denken, die zu erledigen sind.... Und alles geht ohnehin seinen irischen Gang!
So kommt das für heute versprochene Fenster für den ¨sun room¨ frühestens nächsten Freitag und daran glaube ich auch nicht mehr. Eines der Fenster ist völlig eingetrübt, Feuchtigkeit zwischen den Scheiben und wir können nur schwer hindurchsehen... Zwei Fenster sind ja letztes Mal ausgetauscht worden, die das gleich Problem hatten.
Dann soll heute noch ein Gärtner kommen, der die Wiese ¨trimmt¨ - eigentlich müsste auch er schon da sein..  Fechine wollte heute nun endlich kommen - und läßt nichts von sich hören, geschweige denn, sich blicken.  Wir sind eigentlich ¨durch¨ mit ihm und müsse nun am Wochenende mit Peter und Cornelia besprechen, wie wir weiter verfahren. 

Unsere ausgehängten Zettel im Supermarkt mit der Suche nach einem ¨handyman¨ für das Haus hat Erfolg gehabt! Ein naher Nachbar - Matthew - hat sich gefunden und wird diesen Job nun erst einmal für ein Jahr machen. Er ist Klempner, was sehr gut ist  und er hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als er die (unfertigen) Arbeiten von Fechine sah... Er wäre also in der Lage, die Arbeiten fertigzustellen, was etwas sehr Beruhigendes hat.
Erst einmal aber warten wir auf Peter und Cornelia, auf die wir uns auch sehr freuen!  Sonntag werden wir für sie kochen und Donnerstag sind wir schon jetzt bei ihnen zum Dinner eingeladen. Sie sind wirklich ein riesiger Lichtblick was die Hausangelegenheiten angeht. Als ich zu Cornelia meinte, ¨...you are very German¨ - lachte sie herzhaft und meinte, sie wisse das. Sie habe ja auch einen deutschen Namen und ihre Schwester übrigens auch: sie heißt Gabriele :)  Ihre Eltern liebten deutsche Namen.



Hans-Jürgen ist mit der Gartenarbeit wieder ein riesiges Stück vorangekommen. Ich bewundere seine Ausdauer und die Kraft seiner Hände... Er hat die ganze Zufahrt, an der Astrid schon - auf dem Bauch liegend - Unkraut zupfte, heute so gut wie fertig bekommen... Täglich sieht es besser aus..oder jedenfalls ordentlicher.  Der Nachbar ist heute mit einem Gifttank auf dem Rücken seinen ¨driveway¨ abgeschritten - so geht es natürlich auch. Aber das wollen wir nicht.
Das schönste aber ist, dass wir gestern bei LIDL zwei Rosentöpfe erstanden haben, die nun - einer vor dem Haus und einer hinter dem Haus -  an der Hauswand gepflanzt sind.  Mögen sie blühen und dem Haus eine neue, hübsche  Note verleihen!! Wir sind sehr gespannt! Wir staunen, wie wenig Rosen man hier sieht. Das Klima ist doch dem britischen sehr ähnlich und dort kommen die schönsten Rosenzüchtungen her. 
Unser handyman, ja künftig auch den Rasen mähen soll, hat schon angedeutet, dass auch er nicht viel von Blumen und Pflanzen hält, in dem er mit festem Schritt in unseren kleinen ¨herb garden¨ hinter dem Haus an der Terrasse, auf dem hohe Minze wächst und wunderbar duftet, wenn der Wind sanft darüber streicht, trat.  Leider liegen dort die beiden Abflüsse, die Fechine nicht fertiggestellt hat. So werden wir damit rechnen müssen, dass die Kräuter erst einmal ¨dem Erdboden gleich¨ gemacht werden - aber sie haben immerhin den gesamten Umbau überlebt und so werden sie auch Matthew überstehen! 




Im Moment sind Hans-Jürgen und Matthew dabei, einen Außenwasserhahn anzubringen. Wir müssen - und das ist auch kaum fassbar - giessen! Vergeblich haben wir in Clifden nach einer Gießkanne gesucht und zu fragen wagt man sich kaum. Niemand giesst hier seinen Garten... Der Himmel erledigt dies und eigentlich ist es sicher feucht genug, nur Neuanpflanzungen müssen nun einmal gegossen werden. Wir behelfen uns mit den leeren 5l Boxen, in denen wir unser Trinkwasser kaufen.
Im Dickicht des Garten kommt auch immer wieder etwas zum Vorschein, worüber wir hoch erfreut sind. So hat sich ein (angenommenes) Gras gestern in eine dritte Palme verwandelt. Noch recht klein, aber die anderen beiden wachsen so schnell, dass auch diese bald eine ¨richtige Palme¨ sein wird. 
Einige Hecken blühen sehr schön, andere sehen etwas grau aus.. Aber das ist auch bei den Nachbarn nicht anders. Vielleicht brauchen sie noch eine Weile, sich zu entfalten. Wir müssen unseren Garten tatsächlich erst einem kennenlernen, sehen, was wo wächst. Spannend!
Der Gärtner ist noch immer nicht da - aber es wird ja bekanntlich spät dunkel!  Gestern waren wir wieder um 21 Uhr am Strand. Dies ist uns zu einer schönen Gewohnheit geworden. Im Moment ist Flut, so dass wir uns auf eine windgeschützte Bank setzen und der Sonne zusehen, wie sie langsam im Meer versinkt..  Manchmal ist jemand mit seinem Hund unterwegs... ¨lovely evening, isnt't it?¨ - ¨ Yes its brillant¨¨... Und wenn jemand, der einem begegnet nichts sagt, dann ist er/sie nicht irisch! 


Inzwischen ist der Gärtner am arbeiten und ich bin gespannt, wie unsere gemähte Wiese aussehen wird. Ein anderer Gärtner, der die Hecken schnitt im letzten Jahr, meinte, die Wiese sei ¨ uncuttable¨. Mal sehen!
Heute wollen wir in Clifden essen. Bisher haben wir gekocht - und es macht Freude in der tollen Küche, die perfekt ausgerüstet ist. Noch hat es uns an nichts gefehlt!




Clifden hat sich belebt, die Touristen sind da. Sehr viele Deutsche in diesem Jahr. Die Cafés am ¨Square¨ sind voll, die Reiselektüre liegt auf den Tischen und verrät die Nationalitäten im Vorübergehen :) Es gibt neue kleine Läden mit viel Andenkenkram - meist billig und aus China. Aber es gibt auch hübsche kleine Dinge und ich stöbere gerne in den Geschäften. Es tut gut, hin und wieder unter Menschen zu sein und die Freundlichkeit ist stets wie eine wohltuende warme Dusche. Warum gönnen wir und dies nicht in Deutschland. Es macht das Leben so viel einfacher und angenehmer!  Wieder begeistert mich die ¨lebendige Schlange¨ an der Kasse eines jeden Supermarktes. Sicherlich hat dies etwas mit Kleinstadt und Land zu tun und vielleicht ist es in Dublin oder Cork genau so anonym und langweilig wie bei uns :)

Ich möchte nicht verklären, denn es gibt auch immer wieder Enttäuschung. So ist zum Beispiel Sinead, unsere Maklerin, zu der wir einen engen, lebendigen und sehr herzlichen Kontakt hatten, für uns grundlos, abgetaucht.  Nun drücken wir uns an ihrem Schaufenster vorbei und sehen sie drin am PC arbeiten. Das ist schade.  Aber wir haben gelernt - und das seit vielen Jahren im Kontakt mit Menschen - dass wir sie ziehenlassen müssen, wenn sie kein Interesse mehr an einem Kontakt signalisieren. Es scheint eine der Besonderheiten im menschlichen Umgang zu sein, dass ¨Freundschaft¨ eine ganz andere Bedeutung hat - oberflächlicher, austauschbarer, aber solange sie besteht - von übergroßer Herzlichkeit - ist.  Jedenfalls ist dies unsere Erfahrung.
Vielleicht liegt es auch an uns. Ich weiß es nicht.  Wir sind jedenfalls vorsichtiger geworden und genießen mit etwas mehr Distanz :)

Ich lese wieder bei Markus Bäuchle:  ¨ Irland - ein Länderportrait¨.  Er lebt seit 2000 hier und er hat ein wirklich aufschlussreiches, gut recherchiertes und humorvolles Buch geschrieben.

¨Die Iren stehen im Ruf, etwas ganz besonderes zu sein:  Das Volk der ¨Gelehrten und Heiligen¨, der Dichter und der Musiker galt als anders, als individualistisch, exzentrisch, ja anarchisch. Iren hielt man für Improvisationskünstler, für besonders spontan und kreativ, für redegewandt und gewitzt, für durchaus schlitzohrige, gewandte Lebenskünstler denen die Muße vor der Arbeit kommt..Das war allerdings nicht immer so:  Noch Mitte des 19JH beschrieb der Bremer Reiseschrftsteller J.G. Kohl die Iren als ¨ arbeitsscheue, streitsüchtige Querköpfe, phantasievolle Lügner, wild, zerlumpt, verkommen, charakterlos, grausam, rachsüchtig, ungesetzlich, leichtsinnig, abergläubisch, unordentlich und geschwätzig.. Auch die irischen Einwanderer im Amerika des 19 JH hatten sich ein einschlägiges Paddy-Image erarbeitet, das sie als ewig betrunkene Verlierer, als Wirtshausschläger, unzuverlässige Gesellen, aber auch als großartige Entertainer, Musiker und Redenschwinger bezeichnete. Im Lauf der Zeit wandelte sich das Image von dem Barbaren und Wilden von der Insel zum Bild von den immer freundlichen, sanftmütigen, ja unschuldigen und tief spirituellen Iren, von Menschen, die einen direkten Zugang zu anderen Wirklichkeiten haben und die am Ende sogar selig im Chor Lieder anstimmen, wenn ihre Mannschaft ein wichtiges Spiel verliert (während andere Fans anderer Nationalitäten lieber randalieren und ganze Fußgängerzonen verwüsten).....¨

Bäuchle führt weiter aus, dass nicht zuletzt auch der Einfluss der Popmusik mit Gruppen wie Enya, Clannad, Van Morisson, Bono von U2, Bob Geldorf oder Shane MacGowen die gesellschaftliche Veränderung Irland nach außen spiegelten und vorantrieben.

Für uns ist Musik durchaus ein Einstieg gewesen:  U2 war eine der uns verbindenden Gruppen und ein Konzert in Berlin dieser Band bleibt unvergesslich. 
Enya, Moya Brennen und so viele Gruppen waren mir Trost nach Florians Tod. Ich weiß nicht, was ich ohne diese Musik, die all den Schmerz und zugleich doch auch so viel Schönheit auszudrücken vermochte, getan hätte.. Und nicht nur die Musik.  Die Bücher von John O'Donohue, allen voran A Anam Cara¨ waren eine nie versiegende Quelle des Trostes. Irland begleitete uns schon lange, bevor wir die Insel 1994 zum ersten Mal kennen und sofort lieben lernten....

Draußen brummt der Trimmer und ein - aus meiner Kindheit bekannter - Duft von gemähtem Gras liegt rund ums Haus in der Luft. Meine Befürchtung, dass die gemähte Wiese nicht mehr schön, sondern nur ordentlich aussehen könnte, bewahrheitet sich nicht! Der Boden bekommt eine neue Struktur - das ist interessant und dort, wo es vorher schöner war, wird Gras und werden die Blumen zurückkommen!  Um die großen ¨Magariten-Inseln¨ im Garten wird drum herum gemäht!

Heute sitze ich im¨sun room¨ und mein Blick fällt auf den Bog und die Berge und den See, dessen Blau sich zwischen Bog und Berge schiebt. Das Licht, der sich zum Untergang bereit machenden Sonne ist mild und schärft die Konturen.
Nebenan über die Felsen hoppeln zwei dicke, auffallend große Hasen.

Vor dem Haus wird sich bald die Sonne auf ihren Weg machen und uns ihr unvergleichliches Glühen hinterlassen.
Ein abendliches, wundervolles Spektakel!